Feedorgel
MusikBau-Lexikon 1881

orgel, lat. organum pneumaticum; wird zuerst auf dem Obelisk des Theodosius um 400. dargestellt, dann von Cassiodor um 500 n. Chr. erwähnt; 757 sendete Kaifer Konstantin V. eine bereits mit Trittblasebälgen versehene O. an Pipin; 826 kam ein venetianischer Orgelbauer nach Aachen und schon Papst Johann VIII. (872882) verschrieb einen Orgelbauer aus Deutschland. Damals bestanden die Pfeifen aus Kupfer u. standen frei, das Manual hatte höchstens 12 Tasten; vom 10. Jahrh an wurden sie in den Kirchen immer gebräuchlicher: im 13. Jahrh. kamen die Blei⸗ und Zinnpfeifen auf. Im jüngeren Titurell wird eine O. erwähnt, der der Wind durch eine Windmühle zugeführt ward; auch tragbare O.n, engl. Portable0.½ hatte man schon im 13. Jahrh. Die Oin sind schon seit dem 15. Jahrh. schnell verbreitet, jetzt fast allgemein in christlichen Kirchen, s. d. Art. Kirche. Man stellt jetzt die O. am liebsten am Westende des Langschiffes, über dem Paradis, auf. In den mittelalterlichen Kirchen steht die O. meist am Chor (s. Oratorium), in England meist auf dem Lettner und ist dann natürlich meist nicht sehr groß, oft sogar eine beinahe tragbare O. (engl. regals). Ueber die Gebläseeinrichtung s. Art Balg 3., Balgkammer, Balkenkammer und Windlade. Die Pseifen müssen sicher, ruhig und trocken stehen. Die sichtbaren Theile sind Manual, Pedal und die Zinnpfeifen, nebst dem sie umgebenden Orgelgehäuse, dessen Hauptform sich nach der Vertheilung der Pfeifen richtet; über dem Manual sind das Notenpukt u. die Registerzüge anzubringen. Das Orgelgehäuse wird bes. auf der Vorderseite mit Schnitzwerk etc. verziert, welches natürlich genau im Stil des Gebäudes sein muß. Die Vertiefung für Manual etc. wird mit einer Thür verschlossen. Ein Seitenthürchen führt ins Innere des Werkes, auf dessen Bauart hier begreiflich nicht einzugehen ist. Den oberen Theil des Prospektes nehmen die Zinnpfeifen, in Gruppen vertheilt, ein, deren Register der Prinzipalbaß heißt; bildet thek Heidelberg DFC eine solche Gruppe einen Vorsprung, der durch die ganze Höhe der O. geht, so heißt er ein Thurm. Falsch ist es, dem Orgelgehäuse streng architektonische Formen, bes.e Formen der Steinarchitektur, zu geben; es muß immer als Geräthe erscheinen; auch bedenke man, daß in der Zeit des romanischen und frühgothischen Stils die Pfeifen nicht d unter Bögen u. Giebel, sondern frei und zwischen aufrechte Pfosten u. wägrechte Riegel gestelltwurden, vgl. Fig. 2728 mit 2729. Meist liefert der Orgelbauer eine Skizze für die Dispositon der Prospektpfeifen, welche als Anhalt beimEntwurf des Gehäuses zu dienen hat. Die Benennung der O. geschieht nach der Länge der größten Pfeife u. sie heißt z. B. 24füßig, 16füßig etc. Kleine Oin ohne Pedale nennt man Positiv, bewegliche: Portativ, franz. orgues f. pl. portatives, engl. portable organ, regal. Neuerdings hat man auch Dampforgeln. Man schraubt nämlich eine Anzahl nach der Tonleiter gestimmte Dampfpfeifen auf eine starke Dampfröhre, die mit einem Dampfkessel in Verbindung steht, auf, verschließt jede dieser Dampfpfeifen durch ein Ventil, auf welches eine Feder wirkt, befestigt an den Ventilen Drähte, die entweder mit Tasten vder auch mit einer drehbaren Stiftwalze verbunden werden, so daß man Melodien auf der Klaviatur spielen od. ableiern kann. Fig. 2728. Orgel aus frühgothischer Zeit, nach einer Miniatur. 2. O., auch Orgelwerk, frz. orgue, f., engl. orgue, slidingtimber (Kriegsb.), ein Fallbaum od. Fallgatter zum Versperren eines Festungsthores; s. d. Art. Burg.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 476Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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