FeedSteinkohlensormation
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Steinkohlensormation, k. (Miner.), franz. terrain kouillier, engl. Coal-formation, die Steinkohle pflegt in den Ablagerungen einer ganz bestimmten geologischen Periode vorzukommen, welche man die Kohlenperiode nennt, und in den Ablagerungen dieser Periode findet sie sich wieder vorzugsweise in einer bestimmten Formativn, der S. Diese letzte besteht vorherrschendaus einer Wechsellagerung von grauemSandstein, Kohlensandstein, Schieferthon und Kohlenschiefer. Zwischen diesen Schichten liegen die Steinkohlenlager, Steinkohlenschichten od. Steinkohlenslöhe, frz. Conche (belg.: veine) de houille, engl. vein, ooal seam, deren Mächtigkeit in einzelnen Gegenden sehr verschieden ist. Die Zahl der Kohlenlager itber u. unter einander ist gleichfalls verschieden; im Plauenschen Grunde findet man 4 und 5, in Zwickau 10—12, bei Saarbrücken über 100 Lager. Die Mächtigkeit der einzelnen Lager ist zuweilen sehr gering, des Abbauens nicht werth, beträgt aber manchmal 3, 6 bis über 30m. Die S. liegt bei vollständiger und normaler Entwickelung der sedimentären Formationsweise über derulmformation od. dem Kohlenkalkstein und unter dem Todtliegenden. Die Ablagerung der Steinkohle ist jedoch nicht immer auf die S. beschränkt, sondern man findet sie auch in älteren u neueren Ablagerungen, z. B. in der Kulmformation selhst, dei Hainichen; in neueren Formationen der Juraperiode in Angenn Da die Sieinkohlen durch Anhäufung von Pflanzeni sei es nun durch torfartiges Uebereinanderwafinden. Sie finden sich z. B. auch unmittelbar auf Grauwacke, Gneis oder Granit und unter vielen neueren Formationen, da Rothliegendes u. Kohlenkalkstein nichtüberall in der S. vorhanden sind. Um mit einiger Sicherheit das Vorkommen der Kohlen zu vermuthen, bedarf es genauer Bekannischaft mit der Formation der betreffenden Gegend. Wichtige Momente bei der Aufsuchung der Steinkohlen bilden die Lagerungsverhältnisse. Abdrücke vonSigillaria, der Schuppenbäume, baumförmige Lycopodien der Kohlenperiode, und Abdrücke der Calamiten oder baumförmigen Equisetaceen (Schachtelhalme) bilden sehr charakteristische Versteinerungsformen der S. Findet man solche Pflanzenabdrücke in den grauen Schieferthonen oder Sandsteinen oder auch in den Sphärosideriten, so ist das ein Beweis, daß dieselben wirklich der S. angehören. Da die S recht oft unter Depressionen oder beckenförmigen Vertiefungen der Oberfläche gefunden wird, so hat man auch die besondere Oberflächengestaltung als charakteristisches Merkmal für die Anwesenheit der S. angesehen; dieses Kennzeichen trügt indessen häufig, da solche Erscheinungen auch Folgen allgemeiner, von der Kohlenbildung unabhängiger Vorgünge sein können. Bei Aufsuchung von bedeckten Kohlenlagern und bei Beurtheilung erbohrter Kohlenflötze muß man sehr vorsichtig zu Wege gehen u. stets erfahrene Sachverstündige zu Rathe ziehen. Sieinkohlengus, v., franz. gaz m. de houille, engl. o³l-gas, s. Steinkohle, Leuchtstoffe und Gas.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 263Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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