FeedMolasse
NaturlehreBrockhaus 1882

Molasse nennen die Schweizer einen meist grauen und feinkörnigen Sandstein, welcher oft mit groben Konglomeratbänken (der Nagelfluhe) abwechselt, besonders das Hügelland der Schweiz bildet und viel als Baustein verwendet wird. In ihm ist z. B. der Löwe von Luzern ausgehauen. Da dieser Sandstein längs des ganzen nördl. Alpenrandes in ähnlicher Weise auftritt und die mittlere Region der tertiären Ablagerungen hier vorzugsweise charakterisiert, so nennt man diese ganze Schichtenfolge mit allen ihren besondern Einlagerungen die Molasseformation. Da diese Formation am nördl. Alpenrande außerordentlich mächtig entwickelt ist und fast alle andern Tertiärbildungen darin übertrifft, so wurde von mehrern Geologen die gesamte Tertiärbildung, d. h. die Gesamtheit aller ihr zugehörigen einzelnen Formationen, in derselben Weise Molassegruppe genannt, wie man von einer Kreidegruppe spricht. (S. unter Tertiär.) Die schweiz. Molasseformation hat man speziell geschieden in eine obere Süßwassermolasse, eine mittlere Meeresmolasse, eine untere Süßwassermolasse und eine untere Meeresmolasse. Mehrere dieser Abteilungen enthalten schwache Kohlenlager.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 797Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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