FeedTerpentinöl
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Terpentinöl, u., franz. huile de térébenthine engl. turpentine-Oil, dasselbe wird entweder direkt durch Destillation der Zweige, Zapfen u. Nadeln verschiedener Pinusarten, oder durch Destillation des Terpentins mit Wasser gewonnen. Man unterscheidet nach der Abstammung: a) das deutsche T.,aus dem Terpentin deutscher Kiefern, Fichten u. Tannen; b) das französische, aus dem Bordeaux-Terpentin der Strandkiefer gewonnen; o) das englische, fast ausschließlich aus amerikanischem Terpentin dargestellt; d) das gemeine T., frz. eau de race, auch Tannenzapfenöl, Templinöl oder Krummholzöl, aus dem ungarischen Terpentin gewonnen. In rohem Zustand reagiren diese Oele sauer, sind mehr oder weniger gefärbt und stellen Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffe dar. Um das rohe T. zu reinigen, schüttelt man es wiederholt mit Wasser und destillirt, oder man schüttelt das rohe T. mit Kali-Kalkmilch (100 Th. Oel, 100 Th. Wasser, 1 Th. Falk u. 1 Th. Potasche) u. destillirt ab. Die Entwässerung des destillirten Oels geschieht mit Chlorcalcium. Das gereinigte T. ist farblos, dünnflüssig, von eigenthümlichem Geruch und brennendem Geschmack; es löst sich leicht in Aether, in fetten und ätherischen Oelen, daher es als Verfälschungsmittel der letzteren gebraucht wird; es ist schwer löslich in wässerigem Weingeist, leichter in absolntem Alkohol. Es löst Harze, Fette und Kautschuk und dient bei der Bereitung wasserdichter Zeuge als Löfungsmittel für Kautschuk, hauptsächlich aber zur Firniß⸗ und Oelfarbenbereitung. Zur Beleuchtung wird es häufig mit anderen Leuchtstoffen, Alkohol, Holzgeist etc., gemischt angewandt, bes. das mit Sorgfalt reltifizirte T. welches als Camphin in den Handel kommt. e) Ein dem T. sehr nahestehendes Oel, das Kienöl, durch Destillation des weißen Theers mit Wasser erhalten, ist meist gelb oder rothbraun gefärbt u. besteht aus einer Auflösung von Brandharzen u. Brandblen in T.; s. übr. d. Art. Firniß, Gemälde, Rotang etc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 320Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6