Wage, f. I. frz. balance, f., engl. balance, lat. libra, Instrument zur Bestimmung des absoluten Gewichtes der Körper, indem dabei nach den Gesetzen des Hebels das unbekannte Gewicht verglichen wird mit dem bekannten Gewicht anderer Körper, der sogenannten Gewichte. — 1. Die gewöhnliche W., Balkenwäge, franz. b. ordinaire, engl. common b., besteht aus einem gleicharmigen Hebel, dem Wägebalken, franz. lléau, traversin, m., engl. beam, lever, welcher um eine wägrechte, durch die Mitte seiner Länge gehende feste Achse drehbar ist; an beiden Enden desselben befinden sich die Wägschalen, frz. bassins, engl. scales (große hölzerne Schalen, frz. plateau, engl. beamboard), zu Aufnahme des zu wägenden Körpers und der Gewichte. Wenn in beiden Schalen die Lasten gleich groß sind, muß der Wägebalken horizontal bleiben; ist aber auf einer Seite ein Uebergewicht, so wird er sich nach dieser Seite hin senken. Damit die W. recht empfindlich sei, muß der Schwerpunkt des Balkens und der Schalen möglichst nahe unter dem Stützpunkt liegen; doch darf er nicht in diesen selbst fallen, weil sonst bei gleicher Belastung indifferentes Gleichgewicht eintreten und bei dem geringsten Uebergewicht die W. gänzlich umschlagen würde. Ferner muß der Balken möglichst lang und leicht sein. Die W.n kommen als Krämerwägen u., besonders genau gearbeitet, als physikalischeu chemische Win z. B. als Ajustirer vor. 2. Schnellwãgen, bei welchen die Hebelarme nicht gleich sind. a) Bei der römischen W., Schnellwäge mit Laufgewicht, frz. b. romaine, engl. roman b., steel-yard, ist das Gewicht konstant, ebenso der Aufhängepunkt der W. und der Hebelarm CO& der Last; veränderlich dagegen ist der Hebelarm des Gewichts C in Fig. 3490. Das Gewicht muß so lange verschoben werden, bis der Wägebalken horizontal steht. Ist alsdann Ldie Last,“ der unveränderliche Hebelarm derselben, G das unveränderliche Gewicht und dessen Hebelarm, so ist Gleichgewicht vorhanden, sobald LI= Gx ist, woraus L=/Ix folgt. Ist z. B. das konstante Gewicht Kein Pfund u. der Hebelarm! der Last ein Zoll, so giebt die Länge x, in Zollen ausgedrückt, die Last L in Pfunden an. Vorausgesetzt ist hierbei, daß der Schwerpunkt der W. senkrecht unter dem Aufhängepunkt liege. b) Bei der dänischen Schnellwäge, frz. b. romaine à contrepoids fixe, engl. danish, scandinavian b., ist der Aufhängepunkt verschiebbar, während der Angriffspunkt der Last u. des Gewichts, sowie das Gewicht selbst, unveränderlich bleiben. Die W. wird eingetheilt, indem man sie mit einer genauen gewöhnlichen W.evergleicht. DieTheile werden hier natürlich nicht gleichgroß, weil das Gewicht der W.selbst hier keinen konstanten Hebelarm hat. e) Bei der W. mit verjüngtem Gewicht, frz. b. à Contrepoids diminué, à réduction, engl. eduction-b., sind der Aufhängepunkt der W., der Last u. des Gewichts stets unverändert, die Hebelarme der Last und des Gewichts jedoch ungleich. Man bezweckt bei ihnen mit kleineren Gewichten größere Lasten zu wiegen; ist der Hebelarm der Last der 10. Theil von dem des Gewichts, ek Heidelberg DFC so ist auch im Gleichgewichtszustand die Last das Zehnfache des Gewichts. Eine solche W. heißt gewöhnlich Decimalwäge. 3. Zeigerwäge, frz. peson ordinaire, balance à échantillonner, engl. bent-lever-balance, quadrant-b. (Fig. 3491). Hier ist der Hebel ein Winkelhebel a2h; an dem einen Arm oa desselben ist die Wägschale angebracht, worein die Last gelegt wird. Der andere Arm ob ist ein Zeiger, welcher auf einem Gradbogen spielt und durch ein Gewicht beschwert ist. Je größer also der Winkel ist, welchen der Zeiger mit der Vertikalen bildet, um so größer ist die Last der Tangente jenes Winkels proportional. 4. Ein andres Prinzip haben die Federwägen, frz. peson selben beruhen darauf, daß eine elastische Feder sich um so mehr ausdehnt, je stärker die an ihr wirkende Zugkraft ist. Eine Federwäge besteht aus einem Stahlstreifen abed, welcher bei d den Drehpunkt eines Zeigers trägt. Dieser Fig. 3492. Federwäge. Setzwäge besteht aus einem meist dreieckigen Bret, auf welchem ein Ritzchen genau winkelrecht gegen die Verbindungslinie der Füße angebracht ist. Sobald eine vor diesem Ritz angefügte Lothschnur genau auf den Ritz einspielt, ist die Fußlinie horizontal, „in Wäge“. Durch Unterlegen unter dem einen nicht auftreffenden Fuß erfährt man, wie viel die betreffende Fläche auf die Länge der Fußlinie „außer Wäge“ ist. Da die zu kontrolirenden Flächen nicht immer genaue Ebenen sind, oft sogar große und dabei kurze Unebenheiten haben, so pflegt man ein genau gleichbreit gearbeitetes, sorgfältig gefügtes Bret, das Wägscheit, unterzulegen. — 2. Verbesserte Setzwäge von Ribot, mitgetheilt im Bulletin de la société d'encouragement, s. Fig. 3493. Mittels der Mikrometerschraube a schraubt man den Stift b heraus (im Fall die Seite A der Fläche tiefer steht als die Seite B), bis die Schnur e auf den Ritz einspielt, und liest an dem mit Skala versehenen Stift bab, wie viel die Abweichung der Strecke AB von der Horizontalen beträgt. — 3. Wasserwägen, s. d. Art. Libelle, Dosenlibelle, Röhrenlibelle und Wasserwäge. — 4. Pendelwäge (s. d.). — 5. Inclinometer (s. d.). — 6. Clitometer od. Bergwäge (s. d.). — 7. Markscheidewäge (s. d.). — 8. Kanalwäge, s. d. Art. Nivellirinstrument 2. und Fig. 2673; kann auch statt des dort abgebildeten Stativs mit 2 kleinen Füßen an den Enden versehen werden und dann als Setzwage dienen. III. W. als Symbol u. Attribut, s. Thierkreis, Asträa, Ezechiel und Gerechtigkeit in M. M. a. W. Wagebalken, m., 1. einer Balkenwäge, s. d. Art. Wäge I. 1.— 2. W. einer Brückenwäge, frz. 1evier d'une pbaseule, engl. lever, s. d. Art. Brückenwäge. Wagen, un., 1. frz. chariot, II.„ engl. Carriage, bewegliches Gerüst in Sägemühlen (0 d. und Schlitten). W., frz. Träger des Parallelogramms bei Schiffsdampfmaschinen; fernev, frz. Chariot àcuvettes, engl. iron fork on Wheels, der Schlitten zu Wegnahme der Ofenplatten in den Glashütten, und, frz. Chariot àtenailles, engl. large tongs on wheęels, die fahrbare Zange, um den Gießhafen aus dem Ofen zu heben, endlich, frz. Ch. à ferrasse, engl.sheetiron on wWheels, die Karre mit Eisenplatte, um den Hafen dahin zu bringen, wo der Spiegel gegossen werden soll. — 2. frz. voiture, chariot ete., engl. waggon, carriage, Transportmittel; Einiges über die wichtigsten Arten u. Theile ist in d. Art. Bauerwagen, Lastwagen, Korbwagen, Karren, „Deichsel, Langbaum, Armring, Lenkschemel, Gabel etc. angegeben. Ueber die Größe der verschiedenen Wagen s. d. Art. Gerätheschuppen und Remise. Ueber den mystischen