FeedGewürze
Haus & KücheBrockhaus 1882

Gewürze nennt man im allgemeinen alle diejenigen Genußmittel, welche der Mensch seinen Speisen und Getränken in kleinen Quantitäten zusetzt, teils um den Wohlgeschmack zu erhöhen, teils um die Verdaulichkeit der Speisen zu befördern. In diesem Sinne gehören außer den aromatischen und scharfen Pflanzenstoffen auch Zucker, Essig und Hopfen hierher. Die G. sind beinahe ausschließlich aus dem Pflanzenreiche entnommen; aus dem Tierreiche werden nur im Orient wenige Stoffe, wie Moschus, Ambra und Zibet, zu diesem Zwecke verwendet. Das Salz zu den G. zu rechnen, wie es gewöhnlich geschieht, ist nicht ganz logisch; denn das Salz ist ein wirkliches und unentbehrliches Nahrungsmittel. Die Pflanzenteile, welche als G. dienen und als solches im Handel vorkommen, sind außerordentlich verschieden. Bald sind es die Wurzeln, wie vom Otenoeln Galgant; bald die Blätter (oft nebst den Stengeln), wie von Dragon, Saturei (Pfefferkraut), Majoran, Lorbeer, Salbei, Petersilie, Kerbel, Beifuß; bald die Rinde des Stammes, wie vom Zimtbaume, dem Canellbaume; bald die Blütenknospen, wie Gewürznelken, Zimtblüten, Kapern; bald allein die Narben der Blüten, wie beim Safran; bald die Früchte, wie Pfeffer, Neue Würze (Piment), Spanischer Pfeffer, Vanille, Fenchel, Anis, Sternanis, Kümmel, Dill, Koriander; bald allein die Umhüllung des Samens in der Frucht (der Samenmantel), wie die Muskatblüte; bald die Samen, wie vom Senf, Kardamomen, Muskatnuß. Der übermäßige Gebrauch der G. überreizt und stumpft die Verdauung ab und erzeugt überdies leicht eine nachteilige Erregung des Blutlaufs und der Nerventhätigkeit, während ein mäßiger Gebrauch bei schwacher Verdauung und überhaupt zum Verdauen, besonders schwerverdaulicher Nahrungsmittel (z. B. fette Speisen, Gemüse und Salate), dienlich ist. Kindern sollten die stärkern G. durchaus gänzlich vorenthalten werden, da die letztern im jugendlichen Alter die nachteiligsten Folgen haben können. Die Bewohner heißer Länder lieben sehr scharfe G., wie die Südamerikaner den Spanischen Pfeffer. Auch die Zwiebeln, der Knoblauch, Schnittlauch, Rettich, Meerrettich, die Kressenarten und andere scharf aromatisch schmeckende Pflanzen müssen zu den Gewürzpflanzen gerechnet werden. Die kräftigsten Gewürzpflanzen finden sich in den heißen Ländern (Gewürznelken, Muskatnüsse, Zimt, Pfeffer, Ingwer und Kardamomen); doch auch die nördl. Länder sind nicht ganz arm an G. Zu den Gewürzpflanzen in Deutschland, welche auf dem Felde (am häufigsten in Thüringen in der erfurter Gegend, in Franken bei Bamberg und Schweinfurt, und in Böhmen) angebaut werden, gehören Kümmel, Fenchel, Anis, Dill, Hopfen, Koriander und Safran. In den Gärten kultiviert man als Gewürzpflanzen Salbei, Petersilie, Kerbel, Saturei (Pfefferkraut), Majoran, Dragon, Thymian u. s. w. Die G. kommen auch als Arzneimittel in Gebrauch, namentlich bei Verdauungsstörungen, Blähsucht und Nervenleiden, oder als geschmackverbessernde Zusätze zu den ühelschmeckenden Arzneistoffen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 5Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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