FeedGibson (John)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gibson (John), engl. Bildhauer, geb. 1791 zu Gyffin bei Conway im nördl. Wales, wurde in Liverpool erzogen, kam dann auf die Akademie nach London und 1817 nach Rom, wo er unter Canova studierte und sich für immer niederließ. Sein künstlerischer Entwickelungsgang zeigte ihn anfänglich als getreuen Schüler des genannten Meisters, dessen anmutige Weichheit er sich ganz zu eigen machte. Nach und nach gewann jedoch die Antike Gewalt über ihn, und besonders nach seinem weitern Studium bei Thorwaldsen schwang er sich zu größerer Strenge und gründlicherer Durchbildung der Formen auf, blieb aber doch immer mehr genrehaft und grazibs, als großartig und tief. Sein erstes Werk von Wichtigkeit ist eine fhe⸗ welche sich die Sandalen löst (1833). Ihr folgte eine Gruppe der von Zephyren getragenen Psyche, welche er 1827 für den Herzog von Leuchtenberg fertigte und dann, wie mehrere andere seiner Werke, einigemal wiederholte. Für ein Grabmal in der Kirche des heil. Nikolaus in seiner Vaterstadt fertigte er 1840 ein Basrelief, das einen Schutzengel darstellt, welcher einen Wanderer, der schon im Mannesalter steht, auf dem gefahrvollen Wege des Lebens führt. Für Lord Townshend führte er eine Aurora aus, wie sie eben aus den Meereswellen tritt, den Tag zu verkünden. Für den Marquis von Westminster lieferte er eine verwundete Amazone. Zweimal arbeitete er eine Statue des Ministers Huskisson; die zuletzt vollendete für den Kirchhof zu Liverpool zeigt gegen die erstere einen bedeutenden Fortschritt. Ein gründliches Naturstudium herrscht in der Gruppe eines Jägers mit seinem Hunde, welche überhaupt in der Ausführung den durchgebildeten Künstler erkennen läßt. Noch ist zu nennen ein Narciß, der, mit untergeschlagenem Bein auf den linken Arm gestützt, nach seinem Spiegelbilde in der Quelle niederblickt. In London, wo G. 1845 auf kurze Zeit war, modellierte er das Bildnis der Königin nach der Natur zu einer Statue für Windsor, die als Gegenstück dem Standbilde des Prinzen Albert von Emil Wolff dienen sollte. Die Figur ist, wie überhaupt antik aufgefaßt, auch in der Gewandung und den königl. Attributen in antiker Weise gemalt. Auch wurde er mit der Ausführung der Bildsäule Sir Robert Peels, welche auf Beschluß des Unterhauses in der Westminster-Abtei errichtet ward, sowie der Statue George Stephensons (1851) beauftragt. Großes Aufsehen erregte sein Venus (1850, ein Meisterstück der Technik, in welchem aber die konsequente Anwendung der Farbe vielfaches Bedenken hervorrief. Eine schöne Sammlung von Gipsabgüssen der besten Arbeiten G.s befindet sich im Krystallpalast zu Sydenham. G. starb 27. Jan. 1866 zu Rom. Vgl. 0 Castlake, Life of John G. (Lond. 1869). ibson (Thomas Milner), engl. Staatsmann, geb. 1807 in Trinidad als Ia eines Majors in der brit. Armee, studierte in Cambridge und trat 1837, von den Konservativen von Ipswich gewählt, ins Parlament, legte aber 1839 sein Mandat nieder, da seine Anschauungen mit denen der Konservativen nicht übereinstimmten. Er nahm nun lebhaft teil an der Bewegung, welche die Abschaffung der Steuern auf Nahrungsmittel zum Zweck hatte, und zählte bald zu den populärsten Rednern der Anti-Corn-Law-League. Bei den allgemeinen Wahlen von 1841 als Kandidat für Manchester aufestellt, besiegte er nach einem hartnäckigen Kampfe einen Gegner George Murray. An Cobdens Seite stritt nun G. in den vordersten Reihen der Freihändler, bis die Aufhebung der Kornzölle 1846 durch-HMinis wurde. Als hierauf Lord John Russell ein Ministerium bildete, das sich die weitere Entwickelung der nunmehr angenommenen handelspolit. Grundsätze zur Aufgabe machte, wurde G. zum Vizepräsidenten des Handelsamts ernannt. In kurzer Zeit machten sich jedoch polit. Differenzen mit seinen Kollegen bemerklich. In Manchester, welches G. 1847 abermals zum Vertreter erwählt hatte, erregte die Lauheit der Minister in der Durchführung von finanziellen Verbesserungen und ihr Widerstand gegen Wahlreformen großes Mißfallen; G. legte daher im Mai 1848 sein Amt nieder. Er stimmte seitdem im Unterhause mit den Radikalen und setzte im Juli 1852 trotz der Anstrengungen der Konservativen zum dritten mal seine Wahl in Manchester durch. Seine Mißbilligung des russ. Kriegs und sein Votum gegen Palmerston in der chines. Frage hatten jedoch zur Folge, daß er bei den Neuwahlen von 1857 in der Minorität blieb. Nach wenigen Wochen kam er indeß für Ashton wieder ins Parlament und brachte durch die von ihm beantragte Verwerfung der von der Regierung vorgelegten Konspirationsbill das Ministerium Palmerston 19. Febr. 1858 zu Fall. Als Lord Palmerston im Juni 1859 von neuem mit dem Versprechen liberaler Maßregeln an das Staatsruder trat, nahm G. im Einverständnis mit seinen Freunden die vorher für Cobden bestimmte und von diesem abgelehnte Stellung des Präsidenten des Handelsamts an. Seitdem beteiligte er sich namentlich an dem Abschluß der Handelsverträge mit Frankreich und andern Staaten und gehörte zu der Fraktion im Ministerium, die sich der Verwickelung Englands in den Amerikanischen Krieg entschieden widersetzte. Er blieb Handelsminister bis zum Sturze des Ministeriums Russell 1866. Bei den allgemeinen Neuwahlen 1868 entsagte er auch der Vertretung Ashtons und nahm seitdem keinen Anteil mehr an den öffentlichen Angelegenheiten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 23Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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