FeedGiebichenstein
ErdkundeBrockhaus 1882

Giebichenstein, Dorf an der Saale, im Regierungsbezirk Merseburg der preuß. Provinz Sachsen, im Saalkreise, unmittelbar nördlich bei Halle gelegen, Centrum einer der größten preuß. Domänen, zählt (1880) 8020 E., hat eine Strafanstalt, Cisengießerei und Maschinenfabrik, Drahtseil⸗, Kettenfabrik, Baumwollspinnerei und Bierbrauerei und ist durch seine reizende Lage, besonders aber historisch merkwürdig wegen der Ruinen des alten Doppelschlosses gleichen Namens. Das obere Schloß, die alte Festung, ist ursprünglich Reichsschloß, urkundlich zuerst 961 unter Kaiser Otto I. erwähnt. Otto schenkte G. 965 nebst dem ganzen Bezirke um Halle der Kirche zu Magdeburg, und seitdem entstand am Fuße der Burg die feste Residenz der Erzbischöfe. Seit Kaiser Heinrich II., der seit 1013 —14 hier zuerst lombard. Große internierte, diente das obere Schloß wegen seiner festen und isolierten Lage als Staatsgefängnis, in welchem unter andern noch unter ihm Heinrich von Osterreich, später Herzog Ernst von Schwaben (1027—29) und Herzog Gottfried von Lothringen (1044 — 46) festgehalten wurden. Galt des angeblich unter Heinrich IV. hier ebenfalls in stren10 Haft gehaltenen Landgrafen Ludwigs II. von hüringen kühner Befreiungssprung in die Saale immer nur als eine Sage, so wird jetzt selbst die Thatsache seiner Gefangenschaft aus chronolog. Gründen stark bezweifelt. Die Burg wurde 1442 neu befestigt und war bis 1467 gewöhnliche Residenz und Kanzlei der Erzbischöfe von Magdeburg, bis diese mit Ende desselben Jahrhunderts die Moritzburg in Halle anlegen konnten. Im 16. Jahrh. verfiel sie immer mehr, 1572 wurde sie durch Wetterschaden und Brand verheert. Im Dreißigjährigen Kriege lends. Fi sie 1636 die Schweden unter Baner volends. Für die Erhaltung der noch immer bedeutenden Ruinen sorgt die preuß. Regierung, die 1844 die den Einsturz drohenden Mauern untermauern ließ. Der vorhandene Turm gehört zum Teil der neuern Zeit an. Das hier 29. Juli 1846 eröffnete Solbad Wittekind wird von Kurgästen und als Vergnügungsort zahlreich besucht. Vgl. Hendel, «Chronik von G. (Halle 1818); Gräfe, «Solbad und Salzbrunnen Wittekind bei G.» (Halle 1849); Hagen, Die Stadt Halle » (2 Bde., Halle 1867); Müldener, &G., Wittekind, Cröllwitz » (Halle 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 26Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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