Gilbert (Gislebert) de la Porrée (Porretanus), namhafter Scholastiker, Bischof von Poitiers 1142—54. Wegen der in seinem Kommentar zu den vier Büchern des Boäthius De trinitaten niedergelegten Ansichten wurde er von zwei Geistlichen seiner eigenen Kirche der Ketzerei angeklagt und vom Papst Eugen III. auf zwei Synoden zu Paris und Rheims (1148) zur Verantwortung gezogen. An der Spitze seiner Gegner standen der heil. Bernhard von Clairvaux und der Mönch Galfred oder Gaufred (nachmals Abt von Clairvaux). Vier Sätze wurden aus seinen Schriften als ketzerisch ausgezogen. Dieselben beziehen sich auf das Verhältnis der drei Personen der Trinität zu dem Einen göttlichen Wesen, sowie auf das Verhältnis der göttlichen Natur Christi zur Menschwerdung. Die Einwendungen der Gegner, die an philos. Bildung weit hinter G. zurückstanden, beruhen zum Teil auf Mißverständnis, zum Teil aber allerdings auf erklärlichen Bedenken, welche die einem abstrakten Platonismus entsprungenen Versuche G.s, von dem innern Wesen der Gottheit alle wirklichen Unterschiede fernzuhalten, hervorrufen mußte. Doch kam es nicht zu der von den franz. Bischöfen gewünschten Verdammung G.s; vielmehr durfte er, nachdem er sich im voraus dem Urteile des Papstes unterworfen hatte, unangefochten in seine Diöcese zurückkehren. Von seinen sonstigen Schriften sind noch eine Untersuchung De sex Principiiso und eine bisher noch ungedruckte Sammlung von patristischen Belegstellen für die von G. vertretene Auffassung der Trinitätslehre zu nennen.