Globus nennt man in der Geographie und Astronomie eine drehbare künstliche Kugel, auf deren Oberfläche, wenn es ein Erdglobus, die bedeutendsten Länder und Orter der Erde, wenn es ein Himmelsglobus, die bekanntesten Sternbilder und Sterne, außerdem die wichtigsten Kreise, die man sich auf der Erde und am Himmel gezogen denkt, verzeichnet sind, sodaß eine solche Kugel als Nachahmung oder Bild der wirklichen Erd⸗ und Himmelskugel sowohl zur Versinnlichung der wirklichen oder scheinbaren Bewegungen derselben als auch zur Erlangung einer Kenntnis der Sterne dienen kann. Einen Erdglobus besaß schon Ptolemäus, wie aus dessen Almagesto hervorgeht. Auch Himmelskugeln kannten die Alten, und Archimedes Uen wohl als Hipparch und Krates von Mallos sollen dergleichen gehabt haben; ersterer wenigstens ein Planetarium. Die beiden ältesten Globen, welche auf uns gekommen, sind arab. Ursprungs. Der eine, vom J. 1225, wird im Museum des Cardinals Borgia zu Velletri, der andere im mathem. Salon 0 Dresden aufbewahrt. Im 16. Jahrh. wendeten Regiomontanus, Apianus, Gerh. Mercator u. a. großen Fleiß auf die Verfertigung solcher Instrumente. Die geschätztesten der alten Globen sind die von Blaeu (s. d.) in Amsterdam und dem kanermönch Coronelli in Venedig (gest. 1718). Der letztere verfertigte 1683 für Ludwig XIV. einen Erdglobus von m Durchmesser und später eine Him-Grn der von derselben Größe. Der berühmteste G. ist der sog. Gottorp, welchen Herzog Friedrich von Holstein 1656—64 durch Adam Olearius und den Mechaniker Andr. Busch aus Limburg ausführen und in Gottorp aufstellen ließ, der sich aber seit 1713 in Petersburg befindet. Derselbe ist von Kupferblech und die Weteltt. sind auf demselben durch kleine Löcher dargestellt. Gegenwärtig setzt man allgemein die sehr großen Globen, welche unbequem und kostspielig, den kleinen bis zu 8 Decimeter Durchmesser nach, durch welche man, wenn sie richtig ausgeführt, die gleichen Zwecke erreichen kann. Durch die im 18. Jahrh. insbesondere in Nürnberg von Ludw. Andreä und Homann errichteten Offizinen von Himmels⸗ und Erdkugeln wurden dieselben bald, namentlich in Deutschland, sehr verbreitet. In der neuern Met zeichneten sich die 1775 von Lalande, 1780 von Messier in Paris, besonders aber die von Rode besorgten Himmelsgloben aus, welche letztere seit 1790 zu Nürnberg, später auch in Berlin verfertigt wurden und sich durch Genauigkeit und Schönheit des Stichs empfahlen. Sehr brauchbare Globen von verschiedener Größe, auch Reliefgloben werden in Deutschland, namentlich in Leipzig, Weimar, Berlin, Prag und Wien verfertigt. Wegen der Schwierigkeiten, welche die Kugel für die bisweilen m darbietet, hat man statt derselben bisweilen andere Körper gewählt, namentlich den Kegel. Sternkegel lieferten z. B. Zimmermann 1692 und Funk in Leipzig 1777; doch sind sie wenig in Gebrauch gekommen. Eine eigentümliche und kolossale Art von Erdgloben ist das Georama, ein hohler G., in dessen Innerm Galerien angebracht sind, von denen aus man die auf der Oberfläche in erhabener Arbeit und koloriert dargestellten Länder, Berge, Meere, lüsse u. s. w. gleichsam umgekehrt erblickt. Einen olchen stellte unter anderm 1851 Wyld in London auf in einem Maßstab von 1 Zoll auf 10 engl. Meilen. Ein in neuerer Zeit von dem Polytechniker J. A. Brandegger in Ellwangen erfundener G. zur praktischen Einführung in den mathem.⸗geogr. Unterricht ist der sog. Induktionsglobus, eine 35 em im Durchmesser haltende und mit künstlichem Schiefergrunde belegte Kugel, welche das Einzeichnen durch Griffel oder Kreide, sowie das spurlose Auslöschen des Gezeichneten gestattet.