Gondar, von der Mitte des 17. Jahrh. (d. h. seit König Fasilidas und Johannes) bis gegen 1860 die Haupt⸗ und Residenzstadt von Abessinien, jetzt noch Sitz der höchsten Geistlichen (des Abuna und des Etschege) und Hauptstadt des Reichs Amhara, in einer reizenden Gegend der Landschaft Dembea, 1904 müber dem Meere, 40—45 km nördlich vom Tzanasee, auf einem 149 müber dessen Spiegel er-Angaret Hügel zwischen den Flüssen Qaha und ngareb gelegen. Die einzelnen Teile der Stadt sind durch weite und wüste Strecken und Trümmergestein voneinander getrennt, und das Ganze bildet ein Gewirr von Gassen und kleinen Häusern mit zahlreichen Hecken, Büschen, Baumgruppen und Kirchenhainen. Merkwürdig ist der auf der Höhe des Bergrückens liegende, jetzt verfallende Gimb oder Beit-Negus (Königshaus), das große, von den Portugiesen erbaute Schloß der abesim. Kaiser, mit Türmen, Kuppeln und Zinnen. Der Hauptteil der Stadt liegt im Süden und Südwesten des Schlosses, auf der Höhe des Bergs und im Thale der Qaha. An dem diesem Thale zugewandten Bergabhange steht das Haus des Abuna, im Thale selbst, am Fuße des südl. Bergrandes, das Mohammedanerviertel (Islam-⸗Beit), jenseits auf einem Hügel, am rechten Ufer der Qaha, das Judenviertel (Falascha-Beit). In diesen und allen andern Stadtteilen sind die Straßen sämtlich sehr eng, krumm, steil und schmutzig. Die Häuser, aus Steinen gebaut, sind niedrige, nur zum Teil zweistöckige, cylindrische Türme mit einem kegelförmigen Schilf- oder Strohdach; nur wenige Gebäude haben Dächer in Giebelform. Die beste Beschreibung der Stadt gab Rüppell, die neueste Rohlfs. Der größte Teil der alten Stadt ist jetzt verödet oder unbewohnt. Bruce schätzte vohl zu hoch) die Einwohnerschaft auf 10000 Familien; um 1840 hatte sie etwa 6000, jetzt noch 4000 E. Sie wurde von König Theodor Mohach verheert und unter König Johann sind die Rohammedaner meist ausgewandert, eine Minderzahl ließ sich taufen. Noch hat sie 44 Kirchen und viele Hunderte von Geistlichen, dazu zahlreiche Mönche und Nonnen. Auch die Debteras oder Schriftgelehrten Henoe hier verschiedene Spezialschulen (für Kirchengesang, Poesie, Rechtskunde, Kalenderrechnung, für das Alte Testament u. s. w.). Die Mehrzahl der Bewohner sind Kaufleute, welche zwischen Godscham und Damot einerseits, Massaua und Suakin andererseits den Verkehr vermitteln. In G. selbst werden Kleiderstoffe aus Baumwolle, „Schmucksachen und andere Goldarbeiterwaren, Pergament, Sättel, geflochtene Sonnenschirme, Cßtische und andere Flechtwaren verfertigt. Man zahlt zu G. mit Gold, Maria-Theresiathalern und Salzstücken.