FeedGötzendienst
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Götzendienst heißt in der religiösen Sprache im allgemeinen die Verehrung eines falschen Gottes oder Abgottes (Abgötterei). Nach strengem Sprachgebrauche aber versteht man unter Götzen oder Idolen nur die als belebt vorgestellten Götterbilder aus Holz, Stein oder Metall, unter G. oder Idololatrie die diesen Bildern gewidmete göttliche Verehrung. Der G. ist geschichtlich aus der Verehrung von Naturobjekten, die man als belebt und mit geheimnisvoller Macht ausgestattet dachte und um Zeichen der Ehrerbietung bemalte oder mit Flittern behängte, hervorgegangen. Dem gegenüber bezeichnet es schon eine höhere Stufe, wenn das Naturobjekt nur als der Leib erscheint, in welchem der Gott eingekörpert ist, und noch eine höhere, wenn ersteres als die Behausung des Gottes gedacht wird. Beide Vorstellungen finden sich auch im G. Das Bild ist nicht unmittelbar der Gott selbst, sondern sein Leib oder seine Wohnstätte, in welche er wohl durch feierliche Beschwörungen hineingebannt wird. Die Götterbilder der Heidend, deren Verehrung in den heiligen Schriften der Juden als G. bekämpft wird, waren bildliche Darstellungen personifizierter Naturkräfte und Himmelsmächte, der Sonne, des Mondes und der Sterne, deren Tiergestalten nur symbolische Bedeutung hatten. Auch die griech. Götterbilder galten den Juden als Götzen, obwohl zu der Zeit, als die Juden mit den Griechen in Berührung kamen, der Götterglaube der letztern längst über die bloße Belebung von Naturobjekten hinausgewachsen war und unter idealen menschlichen Gestalten die himmlischen Vorbilder des menschlichen Kulturlebens nach seinen verschiedensten Beziehungen hin verehrte. Die alttestamentlichen Propheten erklären in ihrer Polemik gegen die Heidengötter diese Götter unmittelbar selbst für tote Gebilde von Menschenhand, ihre Verehrung also für G., obwohl ihnen die heidnische Unterscheidung der Götter und der Götzenbilder nicht unbekannt ist. Sie wollen aber durch jene Identifizierung aussprechen, daß die Heidengötter, abgesehen von ihren Bildern überhaupt nichts Wirkliches sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 245Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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