FeedGraumichele
PflanzenreichBrockhaus 1882

Graumichele, s. Grammichele. Granne (Arista) nennt man in der Botanik gewisse borstenförmige Fortsätze an Blattorganen. Am häufigsten finden sich dieselben in der Familie der Gramineen an den sog. Deckspelzen (Palea inferior), wo sie bald an der Spitze, bald auch in der Mitte des Blattes ansetzten; ihre Größe ist hier je nach den Gattungen eine sehr verschiedene, bei dem Federgrase, Stipa pennata (s. Tafel: Gramineen, Fig. 15), erreichen sie die ganz außerordentliche Länge von 30 em und darüber, bei den meisten andern Gräsern schwankt ihre Größe zwischen 1—5 cm, mehrere Arten besitzen überhaupt keine G. Bei andern Familien, wie bei den Ericaceen, finden sich grannenartige Gebilde an den Antheren und haben hier wohl eine Bedeutung für die Befruchtung durch Insekten. (S. Tafel: Bestäubung, Fig. 4.) Bei den Geraniaceen kommen G. an den Früchten vor, und zwar sind sie hier im trockenen Zustande spiralig oder schraubenlinig eingerollt. Ahnliches findet sich übrigens auch bei einigen Gräsern, wie bei der schon erwähnten Gattung Stipa und ferner bei den meisten Arten der Gattung Avena, doch ist hier nicht eine spiralige oder schraubenlinige Einrollung vorhanden, sondern eine ziemlich starke Drehung, aber ebenfalls nur im trockenen Zustande. Werden diese G. mit Wasser benetzt, so rollen sie sich bei den Geraniaceen vollständig auf; bei den genannten Gramineen verschwinden die Drehungen und der obere, nicht gedrehte Teil der G., welcher etwas gekrümmt ist, wird dadurch mehrmals im Kreise herumgeführt. Diese eben beschriebenen Einrichtungen haben jedenfalls eine gewisse Bedeutung für das Eindringen der mit solchen G. versehenen Früchte in den Erdboden. (S. unter Aussaat.) Bei vielen andern Gräsern finden sich jedoch keine derartigen Drehungen,‚ dafür sind aber die G. mit Widerhaken oder borstenartigen Haaren versehen, wodurch sie leicht an den Fellen der Tiere hängen bleiben und so an andere Orte geschleppt werden können; hier dienen also die G., ähnlich wie die Haken an den Ver ten der Kletten und anderer Pflanzen, zur Verbreitung der Samen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 290Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6