FeedGriechische Weine
GeschichteBrockhaus 1882

Griechische Weine. Das Königreich Griechenland produziert auf etwa 90000 ha bebauter Fläche 4,5 Mill. Hektoliter Weiß⸗ und Rotweine. Eine ungleich größere Bedeutung hat die Verarbeitung der Weintraube zu Korinthen, denn während diese 1881 das Hauptprodukt der Ausfuhr mit einem Werte von 72 Mill. Frs. bildeten, erscheinen jene erst in siebenter Linie mit einem Wert von 5,8 Mill. Frs. Die im Altertum und Mittelalter hochberühmte griech. Weinkultur ist unter der türk. Herrschaft fast ganz zu Grunde gerichtet worden. Diese Thatsache erklärt sich aus dem Widerwillen, den die herrschende Klasse in der ganzen Türkei aus religiösen Motiven Hegen den Weinbau überarm hegt, und läßt begreiflich erscheinen, daß eine türk. Provenienz, früher hochberühmt, wie die von Lesbos, Chios, Kreta, Tenedos, Kos und Rhodos, selbst der Kommanderia von Cypern jetzt wenig unserm Geschmack behagen wollen. Die griech. Weine fangen auch erst in der neuesten Zeit an, ihren alten Ruf, in Deutschland insbesondere, sich zurückzuerobern. Die Gewohnheit der Griechen, ihre Weine mit Fichtenharz zu versetzen, eine übung, die schon zu Homers Zeiten bestand, die die Weine haltbarer machen soll, wohl aber auf sanitäre Ursachen zurückzuführen sein dürfte, und die jedem Westeuropäer den Genuß dieser dergestalt präparierten Rebensäfte (des Rezinatweines, Vinum resinosum) zur Unmöglichkeit macht, bildete bisher das Haupthindernis für die Ausfuhr.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 416Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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