FeedGuido von Arezzo
ReligionBrockhaus 1882

Guido von Arezzo, Reformator der Tonkunst des Mittelalters, geb. um 990 zu Arezzo, war um 1023 —36 Benediktinermönch in dem Kloster zu Pomposa in der Nähe von Ferrara. Der Neid seiner Mitbrüder veranlaßte ihn, sein Kloster zu verlassen, worauf er bei dem Bischof von Arezzo, Theobald, eine Zufluchtsstätte fand, wo er seine Studien und seine gemeinnützigen Arbeiten wieder vornehmen konnte. Der Ruf von den Fortschritten seiner Schüler drang bis zu dem Papste Johann XIX., der 0 nach Rom einlud. G. kam der Einladung nach, machte dem Papst seine Methode klar, wurde jedoch durch das auhnrr. lima genötigt, die Stadt bald wieder zu verlassen. „Er gab jetzt den Aufforderungen seines vormaligen Abtes nach und kehrte in das Kloster zu Pomposa zurück, wo er gestorben zu sein scheint. Die Florentiner haben ihm unter dem Portikus der Uffizien eine Marmorstatue errichtet. G. hat vier Schriften hinterlassen, unter denen der «Micxrolobed Guidonis de disciplina artis musicae die edeutendste ist. Es ergibt sich, daß er erstens eine neue Methode des Unterrichts (die sog. Solmisa⸗ „tion) ersonnen, mittels welcher er seine Schüler in sehr kurzer Zeit dahin leitete, einen jeden unbe⸗ (kannten Gesang vom Blatte zu singen, und zweitens, daß er die Linien bei der Aufzeichnung der Gesänge anwandte. Zwar wird ihm noch vieles andere (die Erfindung der Harmonie, der musikalischen Mehrstimmigkeit oder des Kontrapunkts u. a. m.) zugeschrieben, was aber seine Schriften zweifelhaft lassen. G.s sämtliche Schriften sind in Gerberts Scriptores ecclesiastici de musica sacra (Tl. 2) aufgenommen. Vgl. Kiesewetter, «G. von Arezzo, sein Leben und Wirken » (Lpz. 1840).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 604Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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