FeedGuise (Franz von) genannt le Balafré
GeschichteBrockhaus 1882

Guise (Franz von) genannt le Balafré, ader Benarbter, einer der bedeutendsten Kriegsobersten Franz' I. von Frankreich, geb. 17. Febr. 1519, zeichnete sich schon in dem dritten Kriege gegen Karl V., besonders durch die Verteidigung von Landrecies (1543) und St.⸗Dizier (1544), aus. Im J. 1545 kämpfte er gegen die Engländer um den Besitz Boulognes, 1552 — 53 wehrte er als Kommandant von Metz alle Stürme der Kaiserlichen ab. Im J. 1556 kämpfte er unglücklich im Kirchenstaate für Paul IV. gegen die Spanier unter Alba. Die 9 bewirkt der Franzosen vor St.⸗Quentin (1557) bewirkte seine Rückberufung ins Königreich, als dessen Generallieutenant er den Engländern Calais, Guines und Ham entriß. Auch Thionville nahm er ein. Die bürgerlichen Unruhen nach dem Tode Heinrichs II. brachten ihn an die Spitze der kath. Partei. Auf seinem Namen ruht das Andenken des Blutbades von Vassy (s. d.), März 1562. Im Hugenottenkriege nahm er Rouen, gewann die Schlacht bei Dreux und war im Begriff, Orléans zu erobern, als er Sam 18. Febr. 1563 von einem Fanatiker der prot. Partei, Poltrot, die Wunden erhielt, denen er pam 24. Febr. 1563 erlag. Seine Memoiren, von 1547 bis 1563, in der von Michaut und Poujoulat herausgegebenen Nouvelle collection de mémoires pour servir à Ihistoire de Francen (Bd. 4 der 1. Serie, 1839), sind eine nüchterne und wohl wahrhafte Quelle der Zeitgeschichte. Guise (Henri I., dritter Herzog von), ältester Sohn des vorigen, ebenfalls mit dem Beinamen le Balafré, die bedeutendste Persönlichkeit der kath. Partei in den Hugenottenkriegen, geb. 31. Dez. 1550, zeichnete sich schon 1566 gegen die Türken in Ungarn aus. Drei Jahre später führte er das kath. Heer, welches bei Jarnac und Montcontour siegte. Die Gunst, welche nach dem hierauf folgenden Religionsfrieden die Hugenotten bei Hof errangen, entfremdete G. dem König, dann aber fand er (bei der Bartholomäusnacht Aug. 1572) vollauf Gelegenheit, mit dem Blute der Ketzer die alte Verbindung neu zu kitten. Er selbst führte die Mörder gegen Colignz und in dem neuen Kriege die kath. Heere. Im J. 1575 siegte er bei Chätegu-Thierry. Hier war es, wo er infolge eines Schusses ins Gesicht den Beinamen ale Balafrén erhielt. Im folgenden Jahre schloß er seine Anhänger zu der aheiligen Liguer zusammen, welche gegen die Protestanten unter Heinrich von Navarra und den König Heinrich III. selbst Stellung nahm. Der des 5 der drei Heinriches machte G. zum Herrn des kath ankreich. Er schlug die Hugenotten, brachte den önig durch den Barrikadenaufstand der Pariser (Mai 1588) in seine Gewalt und zwang denselben, ihn zum Generallieutenant des Königreichs zu ernennen, Heinrich von Navarra aber vom Thron auszuschließen. Offen trachtete G. jetzt selbst nach der Krone: die Spanier, der Papst selbst, waren auf seiner Seite; da ließ der König den übermächtigen im Schloß zu Blois 23. Dez. 1588 ermorden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 611Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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