FeedHammer-Purgstall (Jos., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Hammer-Purgstall (Jos., Freiherr von), berühmter Orientalist, geb. 9. Juni 1774 zu Graz in Steiermark, wo sein Vater Gubernialrat war, erhielt seine Bildung in Wien zunächst im Barbarastift und seit 1788 in der orient. Akademie. Nachdem er an der Herausgabe von Meninstis arab.⸗ pers.⸗türk. Lexikon teilgenommen, wurde er 1796 Sekretär im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Er kam 1799 als sog. Sprachknabe nach Konstantinopel zu dem Internuntius Baron Herbert, der ihn später nach Agypten sendete und machte als Dolmetscher und Sekretär den Feldzug unter Hutchinson, Sidney Smith und Jussuf Pascha gegen Menou mit. Nachdem er im April 1802 nach Wien zurückgekehrt, ging er im August wieder als Legationssekretär nach Konstantinopel und 1806 als Konsularagent in die Moldau. Seit 1807 in Wien angestellt, wurde er 1811 zum Wirkl. Rat und Hofdolmetscher und 1817 zum kaiserl. Hofrat befördert, auch 1835, nachdem er die in Steiermark gelegenen Güter der Gräfin von Purgstall bei dem Aussterben dieses Geschlechts ererbt, unter dem Namen Hammer-Purgstall in den Freiherrenstand erhoben. Im J. 1847 wurde H. zum Präsidenten der neubegründeten Akademie erwählt, legte aber diese Stelle 1849 nieder. Noch fortwährend als Hofrat im außerordentlichen Dienst beim Ministerium des Außern tsemer starb er 23. Nov. 1856 zu Wien. Unter seinen zahlreichen Werken sind »Des Osmanischen Reichs Staatsverfassung und Staatsverwaltung (2 Bde., Tüb. 1816), «Umblick auf einer Reise von Konstantinopel nach Brussas (Tüb. 1818) und KKonstantinopel und der Bosporus (2 Bde., Pest 1821) noch immer schätzbare Schriften. Seine 4Geschichte des Osmanischen Reichs v (10 Bde., Pest 1827—34; 2. Aufl. 1835—36) ist bisjetzt noch nicht übertroffen. Die 4Geschichte der Assassinen» (Stuttg. u. Tüb. 1818), der (Gemäldesaal moslemischer Herrschero (6 Bde., Darmst. 1837—39), die Geschichte der Goldenen Horde im Kiptschaks» (Pest 1840), die „Geschichte der Ilchaner (Darmst. 1843) und die «Geschichte der Chane der Krim (Wien 1856) sind vortreffliche Materialiensammlungen für die Geschichte und Kenntnis der Zustände des Orients. Dasselbe gilt auch von H.s Arbeiten über die Litteraturgeschichte der drei Hauptvölker des moslem. Orients, der „Geschichte der schönen Redekünste Persiensv (Tüb. 1818), der „Geschichte der osman. Dichtkunste (4 Bde., Pest 1836—38) und der nach einem sehr umfaffenden Plane angelegten «Geschichte der arab. Litteratur⸗ (Bd. 1—7, Wien 1850—57). Unter den zahlreichen, freilich nur mit Vorsicht zu benutzenden Publikationen orient. Texte sind nennenswert Faslis „Gül und Bülbül » (Opz. u. Pest 1834), Samachscharis Goldene Halsbänder» (Wien 1835), Mahnud Schebisteris «Rosenflor des Geheimnisses Pest 1838), Der Falknerklees (Wien 1840), das Beschichtswerk des Persers Wassaw (Bd. 1, Wien 1856) u. s. w. Aus dem Persischen übersetzte er den f „Diwan des Hafizy (1813), aus dem Arabischen den Lyriker Motenebbis (1823) und aus dem Türkischen die lyrischen Gedichte des Baki» (1825). Von H. ist auch die Dichtung Memnons Dreiklango Bien 1823), sowie die +½½ des Gebetsoe Wien 1844), ein Gebetbuch in arab. u. deutscher Sprache. Die PanschekWer des Mare Aurelo übersetzte er ins Persische (Wien 1831). Auch begründete er die Zeitschrift «Fundgruben des Orientso (6 Bde., Wien 1810 — 19). Vgl. Schlottmann, Joseph von H.» (Zür. 1857).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 762Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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