Hartmann von Aue, einer der trefflichsten mittelhochdeutschen Dichter, geb. um 1170, gehörte dem Ritterstande an und war Dienstmann zu Aue, wahrscheinlich dem am obern Neckar gelegenen. Er war des Lesens und Schreibens kundig und hat, worauf einiges deutet, wohl in einer Klosterschule seine Bildung empfangen. Französisch konnte er schon vor der Kreuzfahrt, der er sich wahrscheinlich 1197 anschloß. Daß er sich durch eigenes Lesen den Stoff zu seinen erzählenden Dichtungen gewinnen vermochte, sagt er selbst. Unter den letztern ist der Ereco (herausg. von Haupt, Lpz. 1839; 2. Ausg. 1871) am frühesten, vor 1197, der Iweino (herausg. von Benecke und Lachmann, Berl. 1827; 4. Aufl. 1877; dazu das „Wörterbucho von Benecke, Gött. 1833; 2. Aufl. 1874) am spätesten, doch noch vor 1204 gedichtet. Beide gehören dem Sagenkreise von Artus an; beiden liegen franz. Gedichte des Chrétien de Troies (s. d.) zum Grunde. Aus etwas späterer Zeit als «Ereco stammt der (Gregoro (herausg. von Lachmann, Berl. 1838, und Paul, Halle 1873 u. 1882), eine christliche, ebenfalls nach franz. Vorbild bearbeitete Legende. Ziemlich der gleichen Zeit gehört an die liebliche, eine Haussage seines Lehnsherrn behandelnde Erzählung Der arme Heinrichb, welcher namentlich von W. Müller (Gött. 1842) und Paul (Halle 1882) und mit H.s Liedern und Büchleino von Haupt (Lpz. 1842; 2. Aufl. 1881) herausgegeben und von Simrock (Berl. 1830; 2. Aufl., Heilbr. 1875) übersetzt worden ist. Diesen und Erecz übersetzte auch Fistes (Halle 1851), den Iweino und (Heinricho Koch im Ritterbuchd (Bd. 1, Halle 1848), den „Iweino Graf von Baudissin (Berl. 1845). Eine Gesamtausgabe der Dichtungen H.s von F. Bech (3 Tle., Lpz. 1866—69; 2. Aufl. 1870 —73) enthalten die Deutschen Klassiker des Mittelaltersv. Als Erzähler zeichnet sich H. durch freie Bewegung der Rede, durch Gewandtheit und Anmut des Vo trags aus, Welche Vorzüge sich besonders im Armen Heinrichs und im 4Iweinv zeigen. Gottfried von Straßburg nennt ihn in seinem um 1207 gedichteten Tristano noch als Lebenden; seinen Tod beklagt Heinrich von dem Türlein in der „Krones, die um 1220 gedichtet ist. Vgl. noch L. Schmid, Stand, Heimat und Geschlecht des Minnesängers H. (Tüb. 1874); Schreyer, Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen H.s von Auev(Berl. 1874);Naumann, aliber die Reihenfolge der Werke H.s von Aue » (GZeitschrift für deutsches Altertumv, Bd. 22).