FeedHasner (Leopold, Ritter von Artha)
GeschichteBrockhaus 1882

Hasner (Leopold, Ritter von Artha), österr. Staatsmann, geb. zu Prag 15. März 1818, Sohn des am 20. Jan. 1864 verstorbenen Hofrats und böhm. Kammerprokurators Leopold, Ritter von H., studierte in Prag und erwarb den jurist. Doktorgrad in Wien, wo er 1842 in den Dienst der Hofkammerprokuratur eintrat, in dem er bis 1848 (an der Seite Lassers und Herbsts) verblieb. Im J. 1848 folgte er einem Rufe des damaligen Statthalters von Böhmen, Graf Leo Thun, als Redacteur der «Prager Zeitung 5. Als Thun 1849 Minister wurde, erhielt H. eine außerord. Professur der Rechtsphilosophie in Prag, 1851 die ord. Professur der Nationalökonomie daselbst. In dieser Eigenschaft schrieb er &Philosophie des Rechts und seiner Geschichte im Grundriß 5 (Prag 1851) und «System der polit. Okonomien (Bd. 1, Wien 1860). In den böhm. Landtag und das Abgeordnetenhaus gewählt, wurde er zu dessen Vizepräsidenten ernannt und galt bald als einer der besten Redner. Im J. 1863 wurde er durch Schmerling zum Präsidenten des damals aktivierten Unterrichtsrats und gleichzeitig zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses berufen. Im J. 1865 trat er, infolge Ablehnung der geforderten Budgetziffer für den Unterrichtsrat, von der Stelle eines Präsidenten desselben zurück und wurde an der Universität zu Wien zum Professor der Nationalökonomie ernannt. H. war seit 1867 Mitglied des Herrenhauses und wurde 1868 Unterrichtsminister im sog. Bürgerministerium. Als Frucht seiner Thätigkeit ist das neue österr. Volksschulgesetz zu eewsh nen. Er gehörte jener Majorität des Ministeriums an, deren Memorandum, von ihm verfaßt, den Rücktritt der Minister Taaffe, Potocki und Berger zur Folge hatte. Nach demselben zum Ministerpräsidenten und Wirkl. Geheimrat ernannt, trat er mit seinen Kollegen im März 1870 zurück und wirkt seither im Herrenhause als ein Führer der Verfassungspartei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 887Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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