Lerma (Franz Gomez de Sandoval y Royas, erst Graf, dann Herzog von), span. Staatsmann und Kardinal, geb. um 1550, gewann schon in den h letzten Jahren Philipps II. bei dem Thronfolger,‚ u dem spätern Philipp III., solchen Einfluß, daß dieser z ihn gleich nach der Thronbesteigung zum ersten Mi⸗ v nister ernannte. Die Macht des Ministers war un⸗ 0 umschränkt: er stürzte den Erzbischof von Toledo, Loaysa, und den Großinquisitor Portocarrero wie den Präsidenten des Rats von Castilien, Rodrigo Vazquez; dafür beförderte er seine Verwandten und Kreaturen zu den vornehmsten und einträglichsten Würden. Die auswärtige Politik L.s war auf Frieden gerichtet: mit England, an dessen Küsten 1599 eine neue Armada scheiterte, das er 1602 von Irland vergebens bedrohte, schloß er 1604 Frieden; den Niederlanden gewährte er 1608 einen zehnjährigen Stillstand; Frankreich fesselte er 1612 durch eine Wechselheirat zwischen span. Infanten und den Kindern Marias von Medici. Die habsburg. Gesamtinteressen vernachlässigte er; die Königin, eine steirisch-habsburg. Prinzessin, sah sich von allem Einsluß ausgeschlossen. Allmählich gelang es seinen zahlreichen Feinden doch, L. zu stürzen: die Verschwendung und Nepotenwirtschaft gaben ihren Anklagen reichen Stoff, die kriegerischen Verwickelungen in den Niederlanden und dem Reiche nötigten die Regierung zu engerm Anschluß an die deutsche Linie; am 4. Okt. 1618 ward L. genötigt, den Hof zu verlassen. Er starb 1625.