FeedLeuchtenberg (Eugen, Herzog von)
GeschichteBrockhaus 1882

Leuchtenberg (Eugen, Herzog von), Fürst von Eichstätt, zur Zeit des ersten franz. Kaiserreichs Vizekönig von Italien, geb. 3. Sept. 1781, war der Sohn des 1794 guillotinierten Vicomte Beauharnais und der Josephine Tascher de la Pagerie, der nachherigen Kaiserin der Franzosen. Eugen folgte dem Vater 1793 zur Rheinarmee, ging nach dessen Tode zum General Hoche und nahm nach der Verheiratung seiner Mutter mit Bonaparte unter letzterm an den Feldzügen in Italien und dem Zuge nach Agypten teil. Er stieg schnell zu den öchsten militärischen CEhren, wurde w1804 zum franz. Prinzen und 1805 zum Vizekönig von d talien erhoben. Nach Beendigung des österr. Feldzugs von 1805, in welchem er sich auszeichnete, vermählte ihn der Kaiser 14. Jan. 1806 mit der Prinzessin Amalie Auguste von Bayern; 1807 ernannte er ihn zum Prinzen von Venedig und adoptierte ihn als Sohn und Erben des Königreichs Italien. Im Feldzug von 1809 gewann er 14. Juni das Treffen bei Raab⸗ Im J. 1810 ernannte ihn der Kaiser zum Nachfolger des Fürsten-Primas Dalberg als Großherzog von Frankfurt. Im russ. Feldzug von 1812 befehligte er das 3. Armeekorps, übernahm nach Napoleons und Murats Abgange den Oberbefehl und entschied 2. Mai 1813 durch die Umgehung des rechten feindlichen Flügels den Sieg in der Schlacht bei Lützen. Napoleon schickte ihn dann nach Italien, wo er sich geschickt zu verteidigen wußte. Nach dem Sturze Napoleons schloß er 23. April 1814 mit dem Grafen Bellegarde eine Konvention, nach welcher Osterreich Mantua und die Lombardei überliefert wurde, ging nach Wien, wo er dem Kongreß beiwohnte, und bei Napoleons Rücktehr nach Bayreuth, nahm aber an den Begebenheiten von 1815 keinen Anteil. Im Vertrage von Fontainebleau, 11. April 1814, waren ihm für seine Dotationen in Italien Entschädigungen im Betrage von 20 bis 25 Mill. Frs. ausgeworfen worden; der Kongreß bestimmte aber, daß er seine Dotationen in der Mark Ancona behalten und vom König beider Sicilien 5 Mill. Frs. empfangen sollte. Er überließ diese Summe der Krone Bayern und erhielt dafür von seinem Schwiegervater, dem König Maximilian I. Joseph, die Landgrafschaft Leuchtenberg und das Fürstentum Eichstätt. Er starb zu München 21. Febr. 1824 und hinterließ das Andenken eines redlichen, wohlwollenden Mannes. Vgl. Aubriet, «Vie politique et militaire d'Eugène Beauharnais (2. Aufl., Par. 1825); Vaudoncourt, XHistoire politique et militaire du prince Eugènes (2 Bde., Par. 1827); Du Casse, Mémoires et correspondance du prince Eugèner (10 Bde., Par. 1858 -60). Seine Gemahlin, Amalie Auguste, die älteste Tochter des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern, geb. 21. Juni 1788, starb 13. Mai 1851. Sie ließ in der Michaeliskirche zu München ihrem Gemahl ein Denkmal (von Thorwaldsen) setzen. Aus ihrer Ehe gingen, außer vier Söhnen, vier Töchter hervor: Josephine, geb. 1807, vermählt 1823 mit dem König OskarJ. von Schweden, seit 1859 Witwe und gest. 7. Juni 1876; Eugenie, geb. 1808, Gemahlin des Fürsten Friedrich von HahenzollernHechingen, gest. 1847; Amalie, geb. 1812, vermählt 1829 mit dem Kaiser Pedro I. von Brasilien, seit 1834 Witwe und N 26. Jan. 1873; Theodolinde, geb. 1814, vermählt 1841 mit dem Grafen Wilhelm von Württemberg, gest. 1857. Der älteste Sohn, Karl August Eugen Napoleon, Herzog von L., durch Vermählung mit der Königin Donna Maria königl. Prinz von Portugal, geb. zu Mailand 9. Dez. 1810, begleitete bei der Vermählung seiner Schwester mit dem Kaiser Dom Pedro dieselbe nach Brasilien; auf den Wunsch des sterbenden Kaisers wurde dem Prinzen 1834 die Hand der jungen Königin Donna Maria (s. d.) von Portugal angetragen. Er feierte seine Vermählung zu Lissabon 26. Jan. 1835, starb aber schon kurz darauf, 28. März, an der Halsbräune. Max Eugen Joseph Napoleon, nach dem Tode seines Bruders Herzog von L., geb. 2. Okt. 1817 zu München, verlobte sich 1838 mit der Großfürstin Maria⸗ Nikolajewna, der ältesten Tochter des Kaisers Nikolaus. Die Vermählung fand 14. Juli 1839 statt. Nach einem mehrjährigen Lungenleiden, das er sich auf einer geolog. Forschungsreise im Ural zugezogen, starb der Herzog 20. Okt. (1. Nov.) 1852 zu Petersburg. Seine Witwe heiratete 1856 den Grafen Gregor Stroganoff und starb 21. Febr. 1876. Aus seiner Ehe entsprangen zwei Töchter (Maria, geb. 1841, vermählt mit dem Prinzen Wilhelm von Baden, und Cugenia, geb. 1845, vermählt mit dem Prinzen Alexander von Oldenburg) und vier Söhne. Diese Kinder, sämtlich griech. Konfession, führen den Titel Kaiserliche Hoheit und seit 1852 als Mitglieder des russ. Kaiserhauses den Zunamen Romanowski. Der älteste Sohn, Herzog Nikolaus Maximilianowitsch von L., Fürst Romanowsti, geb. 23. Juli (4. Aug.) 1843, russ. Generalmajor à la Suite des Kaisers, ist gegenwärtig Haupt der Familie; sein jüngerer Bruder Herzog Sergei Maximilianowitsch von L., Prinz Romanowsti, geb. 8. (20.) Dez. 1849, Flügeladjutant des Kaisers Alexander II., fiel bei einer Rekognoszierung vor Rustschuk 12. (24.) Okt. 1877. Die Besitzungen der L.schen Familie im Kirchenstaate sind 1845 um 20 Mill. Frs. der päpstl. Reierung überlassen worden, wogegen die Herrschaft Tauubow in Rußland erworben wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 33Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6