FeedLieven (ursprünglich Lyve, resp. Liwen)
GeschichteBrockhaus 1882

Lieven (ursprünglich Lyve, resp. Liwen), ein altes baltisches Adelsgeschlecht, welches von Kaupo, dem letzten Livenfürsten, abstammt. Hervorragende Glieder des Geschlechts sind: Kaupo, mit dessen Vasallenhilfe Albert, der Gründer des livl. Ordensstaates und Rigas, festen Fuß in Livland fassen konnte. Kaupo fiel im Kampfe des Ordens gegen die vereinigten Esten und Russen in der Schlacht an der Pala bei Oberpahlen in Livland am 21. Sept. 1216. — Reinhold von L., ein tapferer General unter Karl X. von Schweden, erhielt 24. Sept. 1653 die schwed. Freiherrenkrone. Er starb als Gouverneur von OÖsel zu Weisenfels 17. Sept. 1665.— Hans Heinrich Freiherr von L., geb. 1664 zu Parmel in Estland, begleitete Karl XII. von Schweden auf dessen Kriegszügen und wurde 31. Dez. 1719 in den Grafenstand erhoben. Er starb als Reichsrat in Stockholm 25. März 1733.— Charlotte Margarete von L., geborene Baronesse von Gaugreben, wurde in Livland 27. Juni (6. Juli) 1743 geboren, heiratete 1766 den russ. Artillerie-Generalmajor Otto Heinrich von L. und wurde als Witwe 1783 Erzieherin der Kinder Kaiser Pauls. Derselbe erhob sie 22. Febr. (6. März) 1799 mit ihrer ganzen Descendenz in den Reichsgrafenstand, Alexander I. bei seiner Thronbesteigung zur Oberhofmeisterin und Nikolaus I. bei seiner Krönung am 29. Aug. (3. Sept.) 1826 mit dem Prädikat «Durchlauchte in den Reichsfürstenstand. Sie starb 24. Febr. (7. März) 1828. — Christoph Andrejewitsch Fürst L., Sohn der vorigen, geb. 6./17. Mai 1774 in Kiew, war 1814 —34 russ. Gesandter in London und starb als Kurator des Thronfolgers Alexander in Rom 10. Jan. 1839. — Dorothea Fürstin L., geborene von Benckendorff, die sog. adiplomatische Sibylle Curopasv, geb. in Riga 19/30. Dez. 1784, war die Gemahlin des vorigen, auf dessen Gesandtschaftsberichte sie großen Einfluß ausübte. Sie starb 27. Jan. 1857 in Paris. „Lievens, auch Lievenz oder Livens (Jan), ein ausgezeichneter holländ. Maler und Kupferstecher, geb. zu Leiden 24. Okt. 1607, war der Schüler Joris Verschootens und Pieter Lastmanns in Amsterdam. Schon in seinem 18. Jahre hatte er sich einen bedeutenden Ruf als Bildnismaler erworben. Er wurde 1630 nach England berufen, wo er die Bildnisse Karls I. und der Königin und vieler Großen malte, kehrte aber 1634 nach Holland zurück und starb vermutlich 1663 zu Antwerpen. Zu Brüssel und Antwerpen sind mehrere Kirchenbilder von ihm, und auf dem Stadthause zu Leiden eins seiner besten Werke in Rembrandtschem Geiste, nämlich die Enthaltsamkeit des Scipio, im amsterdamer Museum die Porträts des Dichters Vondel, Ruyters und Tromps, der Louvre besitzt eine Heimsuchung Marias, das berliner Museum Isaak den Jakob segnend. Seine Handzeichnungen stehen in hohem Werte und ebenso seine Kupferstiche (über 60), die zum Teil geätzt, zum Teil mit der kalten Nadel vollendet sind, nach Art der Remhrandtschen Blätter. Die bedeutendsten darunter sind: die Auferweckung des Lazarus, die Porträts des Dan. Heinsius und Jak. Gouter.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 70Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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