Linde (Sam. Gottlieb), poln. Sprachforscher, geb. zu Thorn 1771, studierte in Leipzig und wurde hier 1792 Lektor der poln. Sprache. Später wurde er Bibliothekar des Grafen Ossolinski in Wien und 1803 von der preuß. Regierung als Rektor des Lyceums und Oberbibliothekar nach Warschau berufen. Hier gab er unter Beihilfe der ersten slaw. Sprachforscher sein berühmtes großes (Wörterbuch der poln. Spracher (6 Bde., Warsch. 1807 — 14; neue Aufl. 1855 —59) heraus. Während der Revolution von 1831 hatte er als Deputierter von Graga und Mitglied des Reichstags eine gefahrvolle Stellung. Bei Reorganisation des Schulwesens in Polen 1833 wurde er wieder zum Direktor des Gymnasiums zu Warschau und des Schulwesens für das Gouvernement Masovien ernannt; doch schon 1838 gab er seine öffentlichen Amter auf. Außer dem Wörterbuch veröffentlichte er noch eine poln. Schrift Uber das litauische Statuto (Warsch. 1816) und „(Grundsätze der Wortforschung, angewandt auf die poln. Sprachey (Warsch. Künth. Auch übersetzte er mehrere Werke poln. Geschichtsforscher, wie Ossolinskis Vincent Kadlubek»(Warsch. 1822) ins Deutsche. Von L.s übrigen Schriften sind noch zu erwähnen: Klüber die russ. Litteratur und «Ein geschichtlicher Grundriß der Litteratur der slaw. Völkerstämmen (Bd. 1, Warsch. 1825). L. starb 8. Aug. 1847 zu Warschau.