FeedLindenschmitt (Wilh.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Lindenschmitt (Wilh.), Historienmaler, geb. zu Mainz 12. März 1806, erhielt seine künstlerische Ausbildung in Wien und München. An letzterm Orte ließ er sich 1826 nieder und nahm Anteil an den monumentalen Arbeiten unter Cornelius. In dem nahegelegenen Dorfe Sendling malte er an der Außenseite der Kirche al fresco den Kampf der bayr. Bauern (1704) gegen die Osterreicher (lithographiert von Hohe), in den Arkaden des Hofgartens den Sieg Ludwigs des Reichen, im neuen Königsbau (im Verein mit Foltz) Bilder zu Schillers Dichtungen, an der Pinakothek Scenen aus dem Leben des Leonardo da Vinci nach Cornelius' Entwürfen. Für den damaligen Kronprinzen, spätern König Mar, schmückte er die Burg Hohenschwangau mit Scenen aus der Geschichte der Styren, Hohenstaufen und Welfen. Erst nach Vollendung aller dieser Arbeiten wandte sich L. der Olmalerei zu. Seine Hauptwerke in dieser Technik sind die 1839 vollendete Hermannsschlacht, in der Galerie zu Karlsruhe, ferner Ottos I. Einzug in Augsburg nach der Schlacht am Lechfeld und die Ungarnschlacht bei Preßburg, in der Galerie zu Mainz. In der Folge wurde er an den Hof nach Meiningen gerufen, wo er das unfern der Residenz gelegene Ritterschloß Landsberg mit Fresken aus der Geschichte des Enach Niams Wettin ausmalte. Später siedelte L. nach Mainz über, wo er als Hofmaler 12. März 1848 starb. Seine Stärke war die Komposition. Ludwig L., der Bruder des vorigen, geb. 4. Sept. 1809 in Mainz, Steinzeichner und Maler, war Mitgründer des Römisch-Germanischen Centralmuseums in Mainzund lieferte als Direktor und Konservator desselben Publikationen von Altertümern der heidnischen Vorzeito mit Abbildungen (Mainz 1858 fg.). Im Verein mit Ecker gibt L. das Archiv für Anthropologien (Braunschw. 1866 fg.) heraus. Wilhelm L., Sohn von Wilhelm L., geb. 20. Juni 1829 in München, studierte an der Akademie daselbst, ging aber c1848 nach Frankfurt a. M. und dann nach Antwerpen und Paris. Nachdem er seit 1853 in Frankfurt a. M. längere Zeit verweilt, kehrte er 1863 nach München zurück und begann nun Momente aus der Reformationsgeschichte tünstlerisch zu behandeln. Die Ausstellung in Paris 1867 brachte seine Versammlung zu Marburg, die in München 1869 die Gründung des Jesuitenordens. Außer diesen streng histor. Bildern, welche sich durch einen edeln und ernsten Gesamtton auszeichnen, produzierte L. einige treffliche Genrestücke von großer charakteristischer Kraft: Luther als Sängerknabe, derselbe bei Andreas Proles in der Lehre, Ulrich von Hutten im Kampf mit franz. Reitern. Neuere Werke sind: der Tod des Prinzen Wilhelm von Oranien, Falstaff und die lustigen Weiber von Windsor, Venus und Adonis, Luther in Augsburg, Sir Walter Raleigh im Gefängnis und Anna Boleyn. Das Rathaus zu Kaufbeuren schmückte L. mit hittor. Wandgemälden, auch das Schützenfestbild im münchener Rathaus rührt von seiner Hand her. L. erhielt 1875 die Professur der Historienmalerei an der Akademie in München.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 88Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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