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NaturlehreBrockhaus 1882

Lithium, chem. Zeichen oder Symbol Li, Atomgewicht 7, ein metallisches Element, dessen Oryd, das Lithion, an Kieselsäure gebunden, 1817 von Arfvedson in dem Mineral Petalit entdeckt wurde. Es erhielt seinen Namen von deros (steinern), weil der Entdecker glaubte, es gehöre ausschließlich dem Mineralreiche an und werde von den Pflanzen nicht aufgenommen, da er es vergeblich in den Pflanzenaschen als Begleiter von Kalium und Natrium suchte. Das L. findet sich in der Natur ziemlich verbreitet, aber nie in großer Menge. Außer im Petalit kommt es vor im Spodumen, Amblygonit, Triphyllin, Lepidolith, Turmalin. In vielen Mineralwassern ist es in sehr geringer Menge gefunden worden, so in den von Karlsbad, Franzensbad, Nauheim, Baden-Baden, Pyrmont, Marienbad, Kissingen, Hofgeismar, Bilin, Hall in Ssterreich, Kreuznach, Klausen in Steiermark und in großer Menge in einer heißen Quelle in der Nähe von Redruth in Cornwall, deren Wasser innerhalb 24 Stunden 8 Centner L. zu Tage fördern soll. Das reine metallische L. wird am besten dargestellt durch Zersetzung des Chlorlithiums mit Hilfe eines starken elektrischen Stroms. L. gehört in die Klasse der Alkalimetalle (Kalium, Natrium, Rubidium, Cäsium), ist silberweiß, läuft aber schnell an der Luft gelblich an; es ist weit leichter als Wasser (spezif. Gewicht O,50), schmilzt bei 180 C. und verflüchtigt sich in der Rotglut noch nicht. L. ist härter als Kalium und Natrium und weniger leicht oxydabel als diese, zersetzt jedoch Wasser energisch. Auch ist es dehnbar und zähe, sodaß man Draht aus ihm ziehen kann. An der Luft bis über seinen Schmelzpunkt erhitzt, verbrennt es mit intensivem Lichte zu Lithion. „Die Verbindungen des L. sind denen des Kaliums und Natriums sehr ähnlich, sie unterscheiden sich von diesen wesentlich durch die geringe Löslichkeit des Carbonats und Phosphats, sowie dadurch, daß sie im Spektrum eine karminrote Linie geben. Weiteres Interesse hat nur das Lithiumcarbonat (lohlensaures L.), welches als Lithium carbonicum offizinell ist und als Lösungsmittel für Ablagerungen von Harnsäure bei Nierenerkrankungen medizinische Verwendung findet. Letzteres Salz wird entweder aus Triphyllin, welches 5—8 Proz. Lithion enthält, oder aus Lepidolith, mit einem Gehalt von 2—5 Proz. Lithion, dargestellt. Fein geschlämmter Lepidolith wird längere Zeit mit Schwefelsäure, die etwas Salpetersäure enthält, digeriert, die Masse wird eingetrocknet und schwach geglüht, um die überschüssig angewandte Schwefelsäure zu verjagen. Der Rückstand wird mit Wasser ausgezogen und die vom Unlöslichen filtrierte Flüssigkeit mit Kalkmilch versetzt, wodurch die fremden Metalloxyde und Erden gefällt werden. Nachdem diese beseitigt sind, wird der Kalk durch orxalsaures Ammoniak gefällt, das Filtrat zur Trockne gebracht und bis zur Verflüchtigung der Ammoniaksalze erhitzt. Der Rückstand, bestehend aus den Sulfaten des L., Kaliums und Natriums, wird in Wasser aufgenommen und mit einer Lösung von kohlensaurem Natron versetzt, wodurch das Lithiumcarbonat als weißes, krystallinisches, in 150 Teilen Wasser lösliches Pulver gefällt wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 118Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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