Luchs (Lynx) ist der Name einer Gruppe von Katzen, die sich durch hochbeinige Statur, einen sehr kurzen, die Fersen kaum berührenden Schwanz und einen langen, auf der Spitze des Ohres stehenden Haarpinsel auszeichnet. Die L. bewohnen kalte und warme Länder. Die Grundfarbe ihres gar nicht oder nur sehr undeutlich gefleckten Pelzes ist rötlich, ihre Ohren sind in der Mitte weißgrau und am Ende schwarz. Der europäische oder gemeine Luchs (Lynx vulgaris oder Felis Iynx, s. Tafel: Katzen II, Fig. 6) gehört zu den am weitesten verbreiteten Katzen und ist das verderblichste Raubtier des Nordens; er mißt ohne den 18 em langen Schwanz Im und ist an den Schultern 50 em hoch. Seine Färbung ist ungemein großer Veränderung unterworfen, wonach mehrere unechte Arten unterschieden worden sind. Die Schweden unterscheiden drei Abarten, den Wolfluchs, der auf rötlichem Grunde wieder deutliche, kleinere Flecken trägt, den Katzenluchs oder Silberluchs, welcher rötlichgrau ist, mit silberweißen, auf den Flecken schwarzen Spitzen des Grannenhaars, und den Fuchsluchs oder Polarluchs, i der sich in Nordamerika von Canada bis an die Felsenberge findet und den kürzesten und allein an der Spitze schwarzen Schwanz hat. Dazu kommt dann noch der im wärmern Europa lebende Pardelluchs, der sich durch glänzend rotbraunes, mit schwarzen gleichförmigen Flecken gezeichnetes Fell unterscheidet. Einst ein sehr gewöhnliches und gefährliches Raubtier in Deutschland, ist der L. daselbst und in Frankreich sehr selten und in Englande ganz ausgerottet. Im östl. Europa, den Alpen und in Nordamerika kommt er noch häufig vor. Auf den Caracal (L. Caracal), der über ganz Afrika, Arabien und einen großen Teil Asiens verbreitet ist, beziehen sich die wunderlichen Fabeln, welche bei den alten Schriftstellern über den L. vorkommen. Dieser zeichnet sich durch zwei weiße, über den Augen stehende Flecken aus, ist wild und unzähmbar und sein Fell von keinem besondern Wert. Aus der Sage von der ungemeinen Scharfsichtigkeit dieses Raubtiers entsprang der Ausdruck „Luchsaugen ». Ebenso weite Verbreitung hat der Sumpf-oder Stiefelluchs (. Chaus s. caligatus), der kaum die Größe der Wildkatze übertrifft, kleine Ohrpinsel und etwas längern Schwanz hat.