FeedMagalhäes
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Magalhäes (Domingo José Gongalves de), der bedeutendste brasil. Dichter der Gegenwart, das Haupt der nationalen Dichterschule, geb. 1811 zu Rio de Janeiro, studierte dort Medizin und ging 1832 nach Europa, wo er 1836—38 der brasil. Gesandtschaft in Paris attachiert war. Dann trat er in die brasil. Staatsverwaltung ein, wandte sich später wieder der diplomatischen Laufbahn zu und wirkte als brasil. Geschäftsträger an den Höfen von Neapel und Turin, 1859—67 als Gesandter in Wien, 1867—71 als Gesandter in Washington. Seitdem lebt er wieder in Rio de Janeiro. In seinen Jugendversuchen, den Poesiaso (Rio de Janeiro 1832), zeigt er sich von den Banden des falschen Klassizismus noch nicht frei. In seinen spätern Gedichten huldigte er mehr der romantischen neufranz. Richtung. Seine »Suspiros e Saudadeso (Par. 1835) sind das erste Werk der neubrasil. Poesie. Berühmt sind seine Mysteérioso, in denen sich, wie in den meisten seiner Gedichte, sein Hang zu philos. Betrachtungen zeigt. Später veröffentlichte er einen Band Liebeslieder unter dem Titel Uraniap (Wien 1862). Seine Trauerspiele Antonio Josév und Olgiatos wurden 1839 und 1842 zuerst aufgeführt und sind die ersten von einem brasil. Dichter geschriebenen Tragödien. Am berühmtesten wurde er durch das Epos Confederaco dos Tamoyoso (Rio de Janeiro 1857; Coimbra 1864); darin besingt er den Kampf der noch freien indian. Stämme Brasiliens gegen die Portugiesen und die Gründung Rio de Janeiros. Außerdem schrieb er noch: «Ensaio sobre a historia litteraria do Brazilo (Par. 1834) und „(Factos do espirito humano (Par. 1858). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien als &Obras completaso (S Bde., Par. 1864—65). Vgl. Wolf, (Le Brésil littéraire (Berl. 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 324Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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