Mehemed-Ali, Vizekönig von Agypten, geb. 1769 in Kavala, einem macedonischen Küstenstädtchen, gelangte 1799 mit dem gegen die franz. Invasion ausgesandten türk. Heere nach Agypten, woselbst er bald unter den türk. Milizen eine gebietende Stellung zu erringen wußte. Er vertrieb den großherrl. Statthalter und setzte es durch, daß er selber von der Pforte 1805 als Wali von Unterägypten, einige Jahre später aber auch von Oberägypten anerkannt wurde. Der frühern Gewalthaber dieser Provinz, der Mamluken-Begs, entledigte er sich 1811 durch verräterischen Massenmord. Sodann unterwarf er 1815 die Wahabiten und stellte die religiöse Pilgerfahrt nach Mekka wieder her. Dann eroberte er Nubien, Sennaar, Dongola und Kordofan (1821). Mit eiserner Strenge wurde in Agypten die Sicherheit gehandhabt, Kanäle und Straßen wurden gebaut, sowie ein großes Nilstauwerkangelegt. Rasch verdoppelte sich die Produktion; durch Regale und Monopole aber lenkte M. ihr Erträgnis in die eigene Tasche. Im J. 1824 von Sultan Mahmud wider die aufständischen Griechen zu Hülfe gerufen, sandte er seinen Stiefsohn Ibrahim Pascha mit Heeresmacht nach der Morea, berief aber denselben infolge direkter Konvention mit dem engl. Admiral Codrington von den erfolgreich begonnenen Operationen nach Alexandria zurück. Als Belohnung für diese Beihilfe ließ er sich von der Pforte die Insel Candia in Administration geben. Nie zweifelnd, daß der Sultan, sobald er sich mächtig genug fühle, seine Herrschaft zu vernichten suchen werde, betrieb inzwischen M. großartige Rüstungen. Ein Streit mit dem türk. Statthalter von Acca, Abdallah, gab ihm den Anlaß zur Cröffnung des Kriegs, in welchem Ibrahim Pascha 1831 ganz Syrien eroberte, durch Kleinasien in der Richtung auf Konstantinopel vorrückte und nach Vernichtung der letzten Armee des Sultans bei Ikonium (Dez. 1832) die Pforte zu dem 28105 von Kutahia (4. Mai 1833) nötigte. M.s Statthalterschaft wurde dadurch über ganz Syrien ausgedehnt und Ibrahim Pascha zum Gouverneur von Cilicien ernannt. Türk. Wühlereien fanden jedoch in Syrien einen fruchtbaren Boden, und schon brachen hier und da Aufstände gegen M. aus, als Sultan Mahmud ihm noch einmal den Krieg erklärte, welchen die für die Türken so unglückliche Schlacht von Nisib 24. Juni 1839 endigte. Der Verrat des Kapudan Pascha, welcher mit der türk. —— 5. Juli zu M. überging, schien den Triumph M.s zu vollenden. Er verlangte jetzt die erbliche Herrschaft über Agypten samt den Dependenzen, über Syrien mit Adana und über Kreta. Zwar suchte Frankreich als Verbündeter des Pascha den Streit beizulegen, aber bereits war der Vertrag vom 15. Juli 1840 zwischen Ssterreich, Preußen, England und Rußland zu London abgeschlossen worden, der den Schutz der Pforte gegen ihren Vasallen bezweckte. Als M. sich in Alexandria mit einer Blockade durch die engl.⸗österr. Flotte bedroht sah, schloß er 27. Nov. 1840 den vorläufigen Vertrag mit dem engl. Commodore Napier ab, in welchem er sich anheischig machte, Syrien zu räumen und die osman. Flotte wieder herauszugeben, wenn man ihm Agypten lassen wolle. Hierauf erfolgte 12. Jan. 1841 der großherrl. Hatti-Scherif, durch welchen er, als Vasall der Pforte, mit der erblichen Statthalterschaft über Agypten beliehen wurde. Später kam unter Vermittelung der vier Mächte noch der sog. Investitur-Ferman vom 1. Juni 1841 zu Stande, durch den M. in dem erblichen Besitze Agyptens und Nubiens bestätigt, zugleich aber auch verpflichtet wurde, der Pforte einen jährlichen Tribut zu bezahlen, sich den allgemeinen Gesetzen des Osmanischen Reichs zu unterwerfen, ohne Erlaubnis des Sultans seine Streitkräfte nicht zu vermehren und alle obern Offiziere, vom Oberst an, durch diesen bestätigen zu lassen. Im J. 1846 besuchte M. zum ersten mal Konstantinopel, um die Erbfolge zu Gunsten seines ältesten (eigentlich Adoptiv⸗)Sohnes Ibrahim Pascha und nach dessen Ableben (9. Nov. 1848) seines Enkels Abbas Pascha zu regeln. Letztern erklärte die Pforte im Jan. 1849 zum rechtmäßigen Nachfolger. M. selbst, zuletzt gänzlich in Stumpfsinn verfallen, starb 2. Aug. 1849. (S. Agypten.) Vgl. Monriez, (Histoire de Méhémet-Alio (4 Bde., Par. 1855—58); Prokesch-Osten, M., Vizekönig von Agypten. Aus meinem Tagebuche 1826—415 (Wien 1877).