FeedTeplitz oder Töplitz
ErdkundeBrockhaus 1882

Teplitz oder Töplitz, einer der berühmtesten europ. Badeorte, Stadt im nordwestl. Böhmen, an der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Ba hn in 221 m Meereshöhe, in dem weiten, an Naturschönheiten reichen bergigen Thale der Biela, das im W. und N. vom Erzgebirge, im O. und S. vom Mittelgebirge begrenzt wird. T. ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, eines Hauptzollamts, sowie eines Bergkommissariats und zählt (1880) 14 841, mit der östlich unmittelbar an T. stoßenden Badestadt Schönau 16750 C. Die Badegäste, deren zur lebhaftesten Zeit, im Juli und August, oft 5—6000 anwesend sind, verteilen sich tl T. mit zwei Drittel und Schönau mit einem Drittel. Die ansehnlichsten Gebäude des Badeorts sind das fürstl. Clarysche Schloß mit Kirche und schönem Schloßgarten, welcher während der Saison den Vereinigungspunkt der Gesellschaft bildet, die Stadtkirche, die evang. Kirche, die auf einem Hügel erbaut ist und eine schöne Umsicht gewährt, der 1882 vollendete israel. Tempel, das Stadttheater und das neue Stadthaus. In der Stadt T. liegen dicht beieinander das Herrenhaus, das Fürstenbad, Sophienbad und das Kaiserbad mit dem Kursalon, entfernter, und zwar unmittelbar an Schönau renzend, das Steinbad und das Stephansbad. In Schönau sind zwei große Badehäuser (Neubad und Schlangenbad). Sämtliche Bäderetablissements (ausgenommen Sophien⸗, Stephans- und Schlangenbad) enthalten auch Fremdenw ohnungen. n Schönau liegt das große k. k. österr. Militärbadehaus, in Teplitz das israel. Badehospital, das Johnsche Civilbadehospital, das Bürgerhospital, die sächs. und preuß. Militärbadehäuser. Auf dem Berge südlich vom Stephansplatz, der Königshöhe, liegt das Schießhaus, weiter oben die Schlackenburg, ein burgartiges Gebäude mit Gastwirtschaft und hübscher Rundsicht. In der Nähe steht seit Von der Entdeckung der teplitzer Heilquellen erzählt die Sage, daß sie 762 durch eine Herde Schweine, welche in der Erde wühlten, veranlaßt worden sei; allein geschichtlich ist erwiesen, daß die Heilquelle von T. zweifellos schon im 3. Jahrh. rv. Chr. entdeckt und auch schon vollauf gewürdigt worden ist. Bedeutsame Tage für die Geschichte „von T. waren das Erdbeben von Lissabon 1. Nov. 1755, indem die Hauptquelle einige Minuten gänzdlich ausblieb, darauf aber unter heftigem Brausen, t dunkelgelb gefärbt und in großer Menge wieder e hervorstürzte, und 13. Febr. 1879, als das Thermalwasser infolge des drei Tage zuvor in einem „Kohlenschachte bei Osseg stattgefundenen Wasserein⸗ „bruchs in dem teplitzer Quellenraum zu sinken begann, um bald auf kurze Zeit ganz zu verschwinden. Die Thermen von T.⸗Schönau sind chemisch gleich und nur in der Temperatur verschieden. Die höchste Temperatur hat die unmittelbar am Stadt⸗ „bad gelegene Quelle, nämlich + 49 C. Die Badehäuser des untern Teils von T. und in Schönau haben selbständige Quellen mit Thermalwasser von 37—44 C. Das Wasser erscheint überall hell und farblos, ist ohne Geruch und von nicht unangenehmem Geschmack. Durch ihre ziemlich gleiche schem. Beschaffenheit sowohl wie durch ihre Wirkungen stellen sich die teplitzer Thermalquellen zu den chemisch indifferenten Thermen mit wenig festen Bestandteilen. Die teplitzer Thermalwässer besitzen überdies einen ihre Heilkraft sehr erhöhenden großen Reichtum an freien und im Wasser gebundenen Gasarten, wie Kohlensäure und Stickgas. Diese durch den Temperaturgrad der Quellen, ihre Wärme⸗ und elektrischen Strömungen modifizierten Einflüsse auf den Organismus, die Haut, das Gefäß-und Nervensystem zu reizen und zu beleben, die Schleimhäute und Drüsen zu stärkerer Absonderung zu bestimmen und so die Transspiration zu vermehren und selbst steinige oder verhärtete schleimige Bildungen aufzulösen, sind besonders bei gichtischen und rheumatischen Leiden, bei Lähmungen, Neuralgien (Ischias), Neurasthenie, skrofulösen Übeln, chronischen Hautausschlägen, bei Geschwüren, welche in jenen allgemeinen Krankheiten wurzeln, schweren Verletzungen und Knochenbrüchen mit ihren Folgekrankheiten, Nachkrankheiten aus Schuß⸗ und Hiebwunden (Bad der Kriegero), Merkurialdyskrasie, Syphilis und einigen Formen von Augen⸗ und Gehörleiden von großem Nutzen. Bei wirklicher Vollblütigkeit, bei Blutflüssen, Entzündungen, innern Vereiterungen u. s. w. ist jedoch der Gebrauch von T. zu vermeiden. Meist benutzt man die Quellen zu Bädern in den verschiedensten Formen, und die hierzu getroffenen Einrichtungen der Badehäuser sind ausgezeichnet. Auch für unbemittelte Kranke ist durch die genannten öffentlichen Spitäler und einige andere milde Stiftungen Sorge getragen. Die früher sehr viel, dann gar nicht, gegenwärtig aber wieder mehr und mit großem Erfolge angewendete Trinkkur gilt als wertvolles Unterstützungsmittel der Badekur. Angenehme Promenaden bieten der Schloßgarten, der Kurgarten, der Seume-Park, die Payer-Anlagen, die Humboldts-Anlagen, der Kaiserpark, die Schlangenbad- und Neubadanlagen und ⸗Alleen, der Mecséry-Weg, die Königshohe, die Stephanshöhe, der etwas entferntere Schloßberg mit einer alten Ruine, neuen, einer Burg ähnlichen Restaurationsgebäuden und vortrefflicher Aussicht, der Park zu Turn u. s. w. Ausflüge richten sich nach dem Wallfahrtsorte Mariaschein, Graupen mit der Rosenburg und Wilhelmshöhe, Doppelburg, Dur, der Cistercienserabtei Ossegg, Bilin, Eichwald und vielen andern schön gelegenen Orten. Etwas entfernter liegen der Milleschauer oder Donnersberg (s. d.) und das Kulmer Schlachtfeld. In T. schlossen 9. Sept. 1813 die drei verbündeten Monarchen den Allianztraktat gegen Napoleon. Auch 1835 trafen daselbst die Monarchen von Osterreich, Rußland, Preußen und Sachsen zu einer Konferenz zusammen, und dasselbe fand im Herbst 1849 zwischen dem Kaiser von Osterreich und den Königen von Preußen und Sachsen, ferner 1860 zwischen dem Kaiser von Osterreich und dem damaligen Prinz-Regenten von Preußen statt. Vgl. Sonnenschein, «Neue chem. Analyse der Heilquellen zu T.v (Tepl. 1876); Seiche, Der innere Gebrauch der Urquelle zu T.„ (Tepl. 1876); Labat, „(Studien über den Kurort T. und seine Thermen (Tepl. 1876); Delhaes, „Die Thermen und Moorbäder zu T.⸗Schönau» (3. Aufl., Prag 1878); Samuely, «Der Kurort T.⸗Schönau in Böhmens (Wien 1885); Gerold, Studien über die Bäder zu T.in Böhmen⸗ (Wien 1886); Langstein, «Die Neurasthenie und ihre Behandlung in T.⸗Schönauv (Wien 1886); Eberle, T. gegen Ischias» (Prag u. Tepl. 1886); Delhaes und Baumeister, „Der Badeort T.⸗Schönau in Böhmeno (Prag u. Tepl. 1886) Kraus, „Die Thermen von T.⸗Schönau in ihrem Verhalten zu mehrern Krankheitsformen der Gelenke» (Tepl. 1886); Hallwich, T., eine deutsch-böhmische Stadtgeschichtes (Lpz. 1886). Die Ableitung des Wortes T. von dem slaw. Worte Teplice, d. i. Warmbad, macht es leicht erklärlich, daß auch andere warme Heilquellen in slaw. Ländern denselben Namen tragen. So das Teplizer Bad (48 R.) bei Pistyan in der Neutraer Gespanschaft, Töplitz oder das Warasdiner Bad (45 R.) in Kroatien (s. Krapina-Töplitz), Töplitz (29 R.) in Krain, Töplitz (14 R.) in Mähren und T. (30 R.) bei Trentschin. Indessen soll nach andern (besonders Hallwich) der Name T. kelt. Ursprungs sein und einen umschlossenen Ort, einen Hag oder Garten bedeuten. N alten Urkunden wird auch der Name der Stadt Toplic, später Töplic geschrieben, wie auch die Schreibart Töplitz bis ins 19. Jahrh. allgemein gebräuchlich war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 562Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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