FeedMartin von Tours
ReligionBrockhaus 1882

Martin von Tours, der Heilige, geb. um 316 zu Sabaria (jetzt Steinamanger in Niederungarn), besuchte die Katechetenschule zu Pavia, mußte aber nach dem Willen seines heidnischen Vaters, welcher Kriegstribun war, in seinem 16. Jahre ins Heer eintreten. Später ging er nach Gallien, wo er sich taufen ließ und als ein Muster aller Tugenden erschien. Unter anderm teilte er sein Kleid mit einem Armen, der ihm an den Thoren von Amiens begegnete, und der Legende zufolge erschien ihm in der folgenden Nacht Christus, mit dieser Hälfte bekleidet. Aus dem Heere ausgetreten, lebte er mehrere Jahre als Mönch, reiste dann in die Heimat, bekehrte seine Mutter, wurde aber von den Arianern zur Rückkehr gezwungen. Einige Jahre lebte er auf der Insel Gallinaria im Ligurischen Meere, dann ließ er sich bei Poitiers nieder, wo er eine Menge Religiosen versammelte. Gegen seinen Willen wurde ihm 375 das Bistum von Tours übertragen. M. zog sich in eine einsame Zelle auf steilem Felsen zurück; als sich um ihn 80 andere Mönche anbauten, nach seinem Beispiel der strengsten Ascese zu leben, entstand das Kloster von Marmoutiers, wo er 400 sein Leben beschloß. Die M. beigelegte Professio fidei de trinitate ist untergeschoben. Sein Leben hat Sulpicius Severus mit vielen Ausschmückungen beschrieben. Vgl. auch Reinkens, M. von Tourso (3. Ausg., Gera 1876); Chamard, «Saint-M. et son monastère de Ligugén (Par. 1874). — Zu Ehren des Heiligen wird in der kath. Kirche 11. Nov., als dem Geburtstag desselben, das Martinsfest (Martini) gefeiert. Auf dieses Fest wurde auch das altgerman. Herbstopfer übertragen, woraus eine Reihe eigentümlicher Gebräuche sich erklären, wie das Martinsmännchen, das Martinsfeuer, das Martinshorn, die Martinsgans, der Martinswein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 492Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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