FeedMartin (Henri)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Martin (Henri), namhafter franz. Geschichtschreiber und Politiker, geb. 20. Febr. 1810 in St.⸗Quentin (Aisne), trat zuerst mit histor. Romanen auf. Sodann ging er zur eigentlichen Geschichtschreibung über und verfaßte mit Paul Lacroir eine preisgekrönte Histoire de Soissons „ (1837). Die erste Ausgabe seiner «Histoire de France erschien in 15 Bänden (1833—36), die zweite, mehrfach von der Französischen Akademie preisgekrönte Auflage in 19 Bänden (1837—54); eine dritte erschien in 16 Bänden (1855—60). Alle auf die Geschichte und Religion der Gallier, die Ursprünge und Bildungsstufen der franz. Sprache und Dichtkunst, die Vorgänge und Zustande des franz. Volkslebens im Mittelalter bezüglichen Teile haben darin eine abermalige Umarbeitung erfahren, und das Werk bildet in dieser Gestalt in der That eine neue und vollständige Geschichte von Frankreich, die sich durch große Wahrheitsliebe, histor. Scharfblick, treffliche Anordnung, klare, sorgfältige Schreibart auszeichnet. Außer seinem Hauptwerk sind noch wertvolle histor. Monographien, wie Daniel Manin o (1859), «Jeanne d'Arc (1872) u. s. w. zu erwähnen. Am 8. Febr. 1871 vom Aisne-Departement und zu Paris in die Nationalversammlung gewählt, gehörte er derselben bis zu ihrer Auflösung an und schloß sich hier der sog. «republikanischen Linkeno an. Im J. 1871 ernannte ihn das Institut, 1878 die Französische Akademie zum Mitglied; 1876 wurde er vom Aisne-Departement zum Mitglied des Senats gewählt. Er starb zu Paris 14. Dez. 1883. Vgl. Hanotaux, Henri M.v (1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 492Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6