FeedMaupeon (René Charles de)
GeschichteBrockhaus 1882

Maupeon (René Charles de), Vizekanzler von Frankreich unter Ludwig XV., geb. 1688 zu Paris, bekleidete seit 1710 die Stelle eines Rats am Parlament zu Paris, stieg 1743 zum ersten Präsidenten auf und erlangte eine gewisse Berühmtheit durch langen Streit mit dem Erzbischof Beaumont in Sachen der Hospitalverwaltung und der Jansenisten. Der Hof verbannte demzufolge 1751 das Parlament nach Pontoise und den Bischof nach Conflans, ohne daß die Ruhe hergestellt wurde. Endlich mußte M. 1757 auf Betrieb seiner eigenen Kollegen und des Hofes selbst die Präsidentschaft niederlegen. Der König erhob ihn indessen 1763 zum Vizekanzler, um durch ihn den Kanzler Lamoignon, welchen besonders die Pompadour haßte, vollends stürzen. Als endlich Lamoignon 1768 seine Entlassung genommen, erhielt M. die Kanzlerwürde, legte jedoch dieselbe sofort zu Gunsten seines Sohnes nieder. Er starb 1775. Nicolas Charles Augustin de M., des vorigen Sohn, geb. 1714 zu Paris, erhielt schon zeitig die Stelle eines Parlamentsrats, wurde 1763 erster Präsident, erhielt 1768 das Kanzleramt und betrieb mit dem Hofe die Demütigung des Parlaments. Die Gelegenheit dazu gab ihm der Prozeß des Herzogs von Aiguillon, der als früherer Gouverneur der Bretagne vom Misgrauchs zu Rennes bei dem zu Paris wegen ißbrauchs der Amtsgewalt angeklagt worden war. M. ließ dem pariser Parlament in einem Lät de justice 27. Juni 1770 die Fortsetzung der Prozedur verbieten; allein das Parlament ignorierte diesen Befehl und erklärte den Herzog 2. Juli aller. Pairsrechte verlustig. Der König mußte auf Betrieb des Kanzlers in einem zweiten Lit de justice den Prozeß cassieren und dem Parlament im Nov. 1770 das Recht absprechen, sich der Einregistrierung der königl. Edikte zu widersetzen und mit den. übrigen Parlamenten ein unteilbares Korps zu bilden. Der Kampf steigerte sich nun mehr und mehr. M. ließ in der Nacht vom 21. Jan. 1771 die Parlamentsglieder einzeln verhaften und verweisen und bildete am 23. aus dem Großen Rat ein Interimsparlament. Im April 1771 erklärte er das Interimsparlament, das er mit seinen Kreaturen desetzte, für ein ständiges. Ebenso erfolgte die Auflösung des Parlaments zu Rouen, und die Mitglieder der übrigen wurden größtenteils erneuert. Der Tod Ludwigs XV. (10. Mai 1774½ machte M.s Wirksamkeit ein Ende. M. wurde sogleich verbannt und das alte Parlament wiederhergestellt. Er starb zu Thuit bei Andelys 29. Juli 1792.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 532Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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