FeedMolé (Matthieu)
GeschichteBrockhaus 1882

Molé (Matthieu), franz. Staatsmann, geb. 1584, war Generalprokurator (seit 1614), als ihn Richelien 1641 zum ersten Präsidenten des Parlaments von Paris ernannte. Unter der Regentschaft der Königin Anna verteidigte er von Anfang an, besonders aber in den Unruhen der Fronde ebenso standhaft die Rechte und Ansprüche des Parlaments gegen die Krone, wie diese und das Parlament gegen die Frondeurs. Im April 1651 wurde er Großsiegelbewahrer, 1653 legte M., um dem Konflikt als Vertreter des Parlaments und der Krone aus dem Wege zu gehen, sein Amt als Präsident nieder. Er starb 3. Jan. 1656. M.s Mémoiresy (3 Bde., Par. 1854 —56) gab Champollion-Figeac heraus. Vgl. Barante, Le Parlement et la Fronde, vie de Matthieu M. (Par. 1859). Edouard Frangois Matthieu M., geb5. März 1760, wurde 1788 Parlamentspräsident. Er heiratete eine Tochter Malesherbes', wanderte 1789 aus, kehrte aber nachher zurück und starb 20. April 1794 unter der Guillotine. Louis Matthieu, Graf von M., franz. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. zu Paris 24. Jan. 1781, folgte in der Revolution seinem Vater ins Ausland und kehrte im Alter von 16 J. nach Frankreich zurück. Im J. 1806 veröffentlichte er Essais de morale et de politique (2. Ausg., Par. 1809), worin er einer gemäßigten Monarchie das Wort redete. Er wurde Auditor im Staatsrat, bald darauf Maitre des requéêtes, 1807 Präfekt des Depart. Cöte-d'Or, 1809 Staatsrat, dann auch Direktor des Wege⸗ und Brückenbaues und Graf des Kaiserreichs, 1813 ernannte ihn der Kaiser zum Justizminister und 20. Nov. desselben Jahres zum Großrichter (grand-juge). Das Amt als Wege- und Brückenbaudirektor bekleidete er auch nach der Schlacht von Waterloo. Ludwig XVIII. erhob ihn 17. Aug. 1815 zum Pair. Im J. 1817 wurde er Marineminister, legte jedoch w1818 mit Richelieu zugleich sein Portefeuille nieder. Im ersten Kabinett Ludwig Philipps erhielt er das Ministerium des Auswärtigen, doch mußte er schon 2. Nov. 1830 dem Herzog von Broglie weichen. Als sich das Ministerium Thiers 25. Aug. 1836 zurückzog, bildete M. in Verbindung mit den Doktrinärs ein Kabinett, in dem er selbst die Präsidentschaft und das Auswärtige übernahm. Ebenso bildete er nach der Auflösung dieses Kabinetts das neue Kabinett vom 15. April 1837, dessen definitiver Rücktritt 9. März 1839 erfolgte. Nach der Februarrevolution von 1848 wurde M. in Bordeaux zum Abgeordneten in die Konstituierende wie in die Legislative Nationalversammlung gewählt, trat nach dem Staatsstreiche vom 2. Dez. 1851 ins Privatleben zurück und starb 25. Nov. 1855 auf seinem Schlosse Champlatreux. Seit 1840 war M. Mitglied der Academie Francaise.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 799Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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