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MusikBrockhaus 1882

Meißen, den Frauenlob (s. d.), zurück, und es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß sich zuerst um diesen in Mainz ein Verein von Bürgern zur Pflege der lyrischen Dichtkunst gesammelt habe, welchem nicht lange darauf zahlreiche andere Vereine zu gleichem Zweck an vielen oberdeutschen Orten und besonders in den Reichshauptstädten folgten. Eine solche größtenteils aus Handwerkern bestehende geschlossene Verbindung mußte sich notwendig zunftmäßig gestalten und also auch der Kunst einen handwerksmäßigen Charakter, einen schulmäßigen Betrieb und ihren Pflegern eine zunftmäßige Rangordnung geben. Das rein Außerliche, die feste Beobachtung der Regeln, deren Inbegriff die Tabulatur hieß, ward jetzt zur Hauptsache, und den Namen Meistero, der also fortan eine bestimmte Stellung und Würde innerhalb der Schule bezeichnete, erhielt, wer einen neuen Ton erfand und nach dem Urteile der Merkero fehlerfrei vortrug. Um durch Neuheit den Anspruch des Meisterrechts zu erwerben, ging man in der Form des Liedes in Beziehung auf Zahl und Stellung der Verse und Reime (doch ohne Beachtung der Betonung und Quantität, die Silben bloß zählend) weit über die Künsteleien der letzten Minnesänger bis zum Ungeheuerlichen hinaus, während die Form des Instrumentalbegleitung fordernden Leiches und des ungesungenen Spruchs fast ganz vernachlässigt wurde, weil Gesang ohne Begleitung die beinahe allein übliche Vortragsweise war. Den Inhalt anlangend beharrte man, auch hierin die Richtung der letzten Minnesänger fortsetzend, im ganzen bei der Lehrhaftigkeit mit ehrbarer und tüchtiger, aber nüchterner Gesinnung. Dichterische Begabung zeigte sich sehr selten und gewöhnlich nur bei solchen, die außer dem eigentlichen Meistergesange sich auch auf andern Gebieten versuchten, wie im 14. Jahrh. bei dem Meißner Heinrich von Mügelin, im 15. bei Muscatblut und im 16. bei dem nürnberger Schuhmacher Hans Sachs (s. d.), der aber seinen Ruhm nicht seinen 4275 Bar (Meisterliedern) verdankt. Mit dem 17. Jahrh. begannen die Schulen der Meistersinger einzugehen; die letzte Genossenschaft erhielt sich in Ulm bis 1839, und ihr Inventar kam an den Liederkranz daselbst. Die Kenntnis vom Verfahren in den spätern Singschulen verdankt man größtenteils dem görlitzer Schuhmacher Adam Puschmann und dem Professor zu Altorf, Joh. Christoph Wagenseil. Jener, ein Schüler von Hans Sachs, schrieb aus eigener unmittelbarer Kunde seinen „Gründlichen Bericht des deutschen Meistergesangso (Görl. 1573) und dessen vermehrte Ausabe unter dem Titel «Gründlicher Bericht der deutschen Reimen oder Rhythmen u. s. w.» (Frankf. a. O. 1596), beide großenteils ausgezogen in Hagens „Sammlung für altdeutsche Litteratur o (Bresl. 1812). Wagenseil hat sein „Buch von der Meistersinger holdseligen Kunsto aus andern Büchern und mündlichen Nachrichten zusammengetragen (angehängt seiner Commentatio de civitate Noribergensi, 1697). Dazu kommt noch Cyriacus Spangenbergs Schrift von der Musica und den Meistersängerno (herausg. von Keller, Stuttg. 1861). Vgl. Jak. Grimm, «über den altdeutschen Meistergesango (Gött. 1811); Schnorr von Carolsfeld, «Zur Geschichte des deutschen Meistergesangso (Berl. 1872); Lyon, «Minnesang und Meistersango (Lpz. 1882). [danum.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 592Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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