Miljutin (Dmitri Alexesew, Graf), russ. General der Infanterie und Kriegsminister, geb. zu Moskau 10. Juli 1816, wurde in der Universitätspension zu Moskau bis 1832 erzogen, 1833 Offizier, besuchte 1835—36 die russ. Kriegsakademie und trat 1836 in den Generalstab über, in dem er 1840 Stabskapitän wurde. M. kam 1843 als „Oberquartiermeister zum kaukas. Korps, wirkte von 1845 ab als Lehrer an der Kriegsakademie und arbeitete daneben seit 1848 im Kriegsministerium. Im J. 1854 wurde M. Generalmajor und 1856 Chef des Generalstabes in Kaukasien, 1859 Generallieutenant, kehrte jedoch 1860 nach Petersburg zufrück, um den Kriegsminister als Vertreter und Gehilfe zu unterstützen, und wurde 9. Nov. 1861 zum Kriegsminister ernannt. Er begann 1862 die Reorganisation des russ. Heerwesens und führte dieselbe nach seinem Entwurf unter schwierigen Verhältnissen bis zum Tode des Kaisers Alexander II. fast vollständig durch. Im J. 1878 wurde M. in den Grafenstand erhoben. Er war ein Hauptgegner der deutschen Partei und eifriger Panslawist, „begünstigte die Skobeljew-Dragomirowsche Richstung im Heere, wurde jedoch im Mai 1881 von Alexander III., dessen Manifest er gemißbilligt hatte, von der Stellung als Kriegsminister entunden und in den Reichsrat berufen. Nikolai Alexejewitsch M., älterer Bruder edes vorigen, spielte als Führer der demokratischen Nationalpartei in der Geschichte der Regierung Alexanders II. eine hervorragende Rolle. Zum Mitglied des mit Vorbereitung der Bauernemancipation betrauten agroßen Komiteesp ernannt, verlangte er Aufrechterhaltung des ungeteilten Gemeindeeigentums und sofortige Zuteilung desselben an die emancipierten Leibeigenen. Da er mit der letztern Forderung nicht durchzudringen vermochte, verließ M. den Staatsdienst, wurde jedoch 1863 mit Ausarbeitung der Entwürfe zur Umgestaltung der agrarischen Institutionen des insurgierten Litauen beauftragt und 1864 unter Beförderung zum Geheimrat an die Spitze des Organifationskomitees für das ehemalige Königreich Polen gestellt. In dieser Stellung brachte er ein Agrarsystem in Ausführung, das planmäßig auf Vernichtung des großen Grundbesitzes, Verlegung alles polit. Gewichts in den plötzlich zum Grundeigentümer gemachten poln. Bauernstand und auf Ausrottung der poln. Nationalität und der kath. Kirche hinarbeitete. Im April 1866 zum Minister-Staatssekretär für Polen ernannt, wurde er später von einem Schlaganfall getroffen und zog sich nach Moskau zurück, wo er 1873 starb. Vgl. «Aus der petersburger Gesellschafto (5. Aufl., Lpz. 1875); Le-Mitkowski (Sigismund), poln. Schriftsteller, schreibt meist unter dem Pseudonym Thomas Theodor Jez. Er ward 1824 in Podolien geboren, studierte in Odessa und Kiew, nahm 1848 am Kampf der Ungarn gegen Rußland teil und floh nach der Niederlage in die Türkei, wo er sich später am Krimkrieg beteiligte. Im J. 1863 rüstete er ein Freiwilligenkorps zur Unterstützung des poln. Aufstandes aus, war aber auf dem Durchzug durch Rumänien entwaffnet und interniert. Später lebte M. in Brüssel, seit 1871 in Lausanne. Seine zahlreichen Novellen und Romane sind der poln. Geschichte und dem südslaw. Leben entnommen: «Handzija Zahornicka (1860), «Szandor Kowaczy (1861), Geschichte des Ur-Urenkels u. s. w. » (1864), «Die Uskokeno (1882; franz., Par. 1882) u. a. Außerdem schrieb er Die Beteiligung der Polen am Krimkriegy (Par. 1857), Erinnerungen an den Aufstand 18635 (Pos. 1880), ber den Berliner Kongreß u. a.