Minne (von der Wurzel man, denken, gedenken, sich erinnern, woher auch mahnen stammt) bedeutet ursprünglich Erinnerung, Andenken. Unsere Vorfahren pflegten bei Opfern und Gelagen der Götter oder der abwesenden und verstorbenen Genossen mit einem Becher zu gedenken und nannten das Minne trinkenv. So trank man in heidnischer Zeit Wuotans, Donars und anderer Götter M., nach der Bekehrung die M. Christi, Marias und der Heiligen, vornehmlich aber die M. des Apostels Johannes, welcher die Gefahr der Vergiftung abwenden sollte, weil er selbst, wie man sagte, vergifteten Wein ohne Schaden getrunken hatte, und, beim Abschied, die M. der heil. Gertrud, als der Beschützerin der Reisenden. Bald aber entwickelte sich für das Wort M. (jedoch nur in Deutschland, nicht in Skandinavien) eine zweite und seitdem allein gültige Bedeutung persönlicher und besonders geschlechtlicher Zuneigung (im Gegensatze zu Haß) während «Lieber nur das Erfreuliche, das Angenehme, das Wohlgefallen (im Gegensatze zu Leid) bezeichnete. Weil nun die Verehrung, welche seit ältester Zeit dem weiblichen Geschlecht von den Deutschen gewidmet worden war, sich durch das Rittertum, durch den Einfluß der brit. Romane und durch die Wechselwirkung des Mariendienstes bis zur Schwärmerei steigerte, so wurde den deutschen Lyrikern des 12. und 13. Jahrh. die M., von ihnen oft auch als Frau M. personifiziert, und der Frauendienst Hauptinhalt ihrer Dichtungen und ihnen selbst der Name Minnesinger (s. d.) beigelegt. Später erhielt das Wort M. einen tadelnden Nebensinn des bloß sinnlichen Genusses, und seine frühere edlere Bedeutung ging auf das Wort Liebe über, bis endlich die Dichter des 18. Jahrh. (insbesondere Klopstock und die Dichter des Göttinger Dichterbundes) dem Worte M. seine frühere Bedeutung wiedergaben.