FeedMitscherlich (Eilhard)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Mitscherlich (Eilhard), ausgezeichneter deutscher Chemiker, geb. 7. Jan. 1794 zu Neuende bei Jever, studierte seit 1811 in Heidelberg Geschichte, Philologie und insbesondere orient. Sprachen, benutzte hierauf 1813 in Paris den Unterricht an der Ecole des langues orientales und begann 1814 in Göttingen nach den dort befindlichen Handschriften eine Geschichte der Ghuriden und Kara-Chitayer zu bearbeiten. Daneben beschäftigten ihn Geologie und Mineralogie, Chemie und Physik und zuletzt Medizin in besonderer Beziehung zu seinen histor. Studien. Als er aber 1818 nach Berlin ging, widmete er sich fortan einzig der Chemie. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete er alsbald mit der Entdeckung des Isomorphismus (s. d.). Noch war er mit der weitern Verfolgung dieser Entdeckung beschäftigt, als Berzelius 1819 Berlin besuchte und die große Wichtigkeit jener neuentdeckten Thatsachen für die Mineralogie und die Chemie erkannte. M. hatte so sehr das Vertrauen Berzelius' gewonnen, daß dieser ihn in sein Laboratorium nach Stockholm einlud, wohin ihm auch M. folgte. Bei der Erledigung der Professur für Chemie in Berlin schlug ihn Berzelius zum Nachfolger Klaproths vor, und M. trat diese Stelle 1821 an. Er starb 28. Aug. 1863 in Berlin. M. entdeckte auch die zwiefache Krystallform des Schwefels (Dimorphismus), und seine Verbesserungen an dem Reflexionsgoniometer setzten ihn in den Stand, die ungleiche Veränderung (Ausdehnung) der Winkel an den Krystallen durch Wärme beobachten zu können. Die Untersuchungen über die Verbindungen eines Kohlenwasserstoffs, des Benzins, führten ihn zu richtigern Ansichten über die Zusammensetzung der sog. organischen Verbindungen, und Versuche über die Bildung des Athers zu der allerdings jetzt verlassenen Lehre von der chem. Verbindung und Trennung durch Kontakt. Außer den zahlreichen, in den Schriften der Akademie und verschiedenen Zeitschriften enthaltenen Abhandlungen über eigene Untersuchungen, in welcher er zuerst den Holzschnitt für wissenschaftliche Lehr zwecke allgemein zur Anwendung brachte, hat M ein in jeder Hinsicht ausgezeichnetes Lehrbuch der Chemiev (2 Bde., in 4 Abteil., Berl. 1829—40; 4. Aufl. 1844—48) herausgegeben. Vgl. Rose, «Eilhard M. » (Berl. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 774Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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