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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Mode (frz., vom lat. modus, d. i. die Art und Weise) bezeichnet die Gesamtheit der Gebräuche, Sitten und Gewohnheiten eines Volks, seine Trachten, Zimmergerätschaften, Waffen und alle Nebendinge des Lebens mitgerechnet, wird aber gewöhnlich in einem engern Sinne genommen und nur auf die Art sich zu kleiden angewandt. Die Geschichte der M. bildet einen wesentlichen Teil der allgemeinen Kultur- und Sittengeschichte. Bei den alten Griechen und Römern war die Kleidung anfänglich einfach aus grober Wolle und weniger zum Putz als zum Schutz des Körpers gemacht. Erst nach der Schlacht bei Salamis ergaben sich die Athener den Mode- und Luxusüppigkeiten des Kleiderwesens, und die Römer folgten ihrem Beispiel, als sie ihre Eroberungen bis Kleinasien ausgedehnt hatten. Im Mittelalter hielten sich die Nationaltrachten lange in den Schranken der Einfachheit; erst um die Mitte des 14. Jahrh. beginnt der beständige, scheinbar zufällige Wechsel in der Tracht mit seiner unbedingten Herrschaft über alle Klassen der civilisierten Menschheit. Schon früh erhielten die Standesunterschiede eine sichtbare und handgreifliche Gestalt im Zuschnitt und Aufputz des Wamses und Rocks. Die Adeligen waren adelig von ihrer Hutspitze bis zu ihren Schuhabsätzen, und die Bauern bäuerisch von ihren Pelzmützen bis zu ihren Filzsocken. Die Anzahl der jährlich gestatteten Kleider, aus welchem Stoffe sie verfertigt, wie sie zugeschnitten, gefüttert, verbrämt und beflittert sein durften: alles das war für die Vornehmsten wie für die Geringsten in Kleiderordnungen (s. d.) vorgeschrieben. Von der Renaissance-Epoche an nähern sich die europ. Völker einander in der Kleidung bis 9 einem gewissen Grad der Gleichartigkeit. Eine Nation wird für die andere die Tonangeberin in Kostümangelegenheiten und drückt jedesmal ihren Nationalstempel auf die durchgehends als mustergültig angenommene Kleiderform. Um die Mitte des 16. Jahrh. kleidete man sich z. B. allgemein nach spanischer M., und ein Jahrhundert später begann die Herrschaft Frankreichs auf dem Gebiet der M. Wenn sich die Tracht auch allmählich, nach engl. Vorgange, schmuck⸗ und anspruchsloser gestaltete, so blieb sie doch immer noch die in die Augen fallende Seite der gesellschaftlichen Rangunterschiede, bis die Französische Revolution sie auf eine radikale Einfachheit zurückführte. Seitdem alle Gold⸗ und Silberstickerei abkam und an der Stelle von Samt und Seide das Tuch aufkam, ist es unmöglich, die verschiedenen Stände in der Tracht voneinander, wenn nicht der Beruf eine besondere Form für diese bedingt, zu unterscheiden. Auf dem Gebiete der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. Herren⸗, wie auf dem der Damenmode ist nach wie vor der pariser Geschmack tonangebend. (S. Tracht.) Die ältesten Modezeitschriften waren; Le Courrier de la nouveautéo, ein Wochenblatt (Par. 1758), und die „Mode- und Galanteriezeitung » (Erf. 1758). Vgl. von Eye und J. Falke, «Kunst und Leben der Vorzeit (Nürnb. 1858); J. Falke, „Die deutsche Trachten⸗ und Modenwelt» (Lpz. 1858); derselbe, Geschichte des modernen Geschmacksv (Lpz. 1866): K. Köhler, Die Trachten der Völker in Bild und Schnittv (Dresd. 1871); Weiß, „Kostümkunder (3Bde.,Stuttg. 1856—72); J. Falke, „Kostümgeschichte der Kulturvölker» (Stuttg. 1881); Lessing, Der Modeteufelo (Berl. 1884). Moödel, Modul, vom lat. modulus (verkleinert von modus), ist ein in der Baukunst gebräuchliches Maß für die Bestimmung der einzelnen Teile der Säule, sowie des Gebälks. Seine Größe hängt von der jedesmaligen Stärke der Säule ab, da der untere Säulendurchmesser zwei M. gibt. Ein M., also der Säulenhalbmesser, wird in 30 Teile geteilt, die man Minuten oder Partes nennt. Alle andern Größenverhältnisse des übrigen Baues werden in der antiken Kunst aus diesem Grundmaß abgeleitet, das sonach kein absolutes, allgemeines, sondern nur für jeden einzelnen Tempel, eine bestimmte Säulenstellung, geltendes ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 785Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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