Mohammed (arab., d. i. der Gepriesene), der Stifter der nach seinem Namen benannten Religion (s. Islam), wurde im April 571 in Mekka geboren und war der Sohn des Abdallah und der Amina. Seine Eltern gehörten einem der in ganz Mittelarabien angesehensten arab. Stämme, dem Stamm der Kureisch an, aber die Linie dieses Stammes, zu der sie sich zählten (die Häschimiten), besaß nur geringes Vermögen und wenig Einfluß. Das Ansehen des Stammes Kureisch beruhte auf der weltlichen Herrschaft über Mekka und auf dem Oberaufsichtsrecht über den in dieser Stadt befindlichen Tempel, die Kaaba, welche für einen größern Stämmeverband den religiösen Mittelpunkt bildete und deshalb in den Wallfahrtsmonaten eine große Anzahl Pilger herbeizog. Von den damit verknüpften Vorteilen und Vorrechten für den Stamm Kureisch war aber wenig in den Händen der Linie verblieben, welcher M. angehörte. Abdallah starb — vor oder nach der Geburt seines Sohnes, welcher in seinem sechsten Lebensjahre auch seine Mutter durch den Tod verlor, dann zwei Jahre von seinem Großvater Abdul-Muttaleb und hierauf von seinem Oheim Abu-Talib erzogen wurde. Diesen begleitete er im 12. Lebensjahre auf einer Handelsreise nach Basra, wobei er mit einem christl. Mönch Bahira oder Dscherdschis (Georgius) zusammengetroffen und sein Oheim auf die bedeutenden Geistesanlagen des Knaben aufmerksam gemacht worden sein soll. Von seiner spätern Jugendzeit ist sehr wenig bekannt. M.s Anwesenheit bei dem Krieg der Kureischiten gegen den Stamm Hawazin, welcher Krieg der gottlose genannt wurde, da er in einen der vier heiligen Monate fiel, sowie daß er eine Zeit lang die Herden der Mekkaner für Lohn hütete, ist das Hauptsächlichste davon. Im 25. Lebensjahre trat er in die Dienste der reichen Kaufmannswitwe Chadidscha, die ihn so lieb gewann, daß sie, obwohl schon 40 J. alt, ihm ihre Hand antragen ließ und ihn auch wider den Willen ihres Vaters heiratete. M. hatte aus dieser Ehe, neben welcher er bis zum Tode dieser Frau keine zweite einging, viele Kinder, die aber alle ohne Nachfolge starben, mit Ausnahme der Fätima, die, an seinen Vetter Ali, Sohn des Abu-Talib, verheiratet, die Stammmutter vieler Nachkommen wurde. (S. Fatimiden.) Nach seiner Verheiratung lebte M. als Kaufmann fort, gab sich aber vorzugsweise religiösen Betrachtungen hin und suchte tagelang, namentlich im heiligen Monat Ramadhan, die Einsamkeit in einer Höhle des nahegelegenen Bergs Hirä. Wenn man den damaligen Zustand Arabiens in religiöser Beziehung (ygl. Krehl, «über die Religion der vorislamischen Arabero, Lpz. 1863) näher ins Auge faßt, so finden sich Elemente genug, welche es natürlich erscheinen lassen, daß überall das Bedürfnis nach einer neuen Religion sich geltend machte und daß diese neue Religion in so erstaunlich kurzer Zeit Erfolge errang, welche in der Geschichte fast einzig dastehen. Der althergebrachte Gestirn⸗, Idol⸗ und Baumkultus der arab. Stämme war zu gehalt⸗ und ideenlos, als daß er auf die Länge im Stande gewesen wäre, das Eindringen fremdartiger religiöser Elemente zu hindern. Die vielfache agidhen r der Araber mit den Persern und den religiösen Kulturkreisen Mesopotamiens hatten das Eindringen pers. und chaldäischer Religionsanschauungen zur Folge, andererseits aber waren über die ganze Halbinsel Juden und Christen in nicht unbedeutender Zahl zerstreut, und ganze Stämme hatten das Judentum oder das Christentum angenommen. Aber erst M. gelang es, die zerstreuten Elemente zusammenzufassen und durch Ausdauer und Beredsamkeit, ganz besonders aber durch glückliche Kriege seiner Lehre einen glänzenden Sieg zu verschaffen. Wie viel er dabei fremder Unterweisung und Anregung, wie viel seinem eigenen Sinnen und Nachdenken verdankte, ist schwer im einzelnen festzustellen. Die in seine Offenbarungen verwebten biblischen Legenden stammen bei der offenbaren Unbekanntschaft M.s mit den jüd. und christl. Quellen aus der Mitteilung anderer. Daß M. dasienige, was das Resultat eigener Reflexion war, was eigene Überlegung ihm als wahr erscheinen ließ, selbst für Offenbarung hielt und dafür ausgab, kann nicht befremden, wenn man hinzunimmt, daß er ein Mann von nervöser Konstitution, lebhafter Einbildungskraft und träumerischem Wesen war, und daß die meisten Offenbarungen mit visionären Zuständen verbunden waren. Alles dieses beweist, daß M. gewiß kein selbstbewußter Betrüger war. In seinem 40. Lebensjahre hatte er die erste Vision, in der ihm der Engel Gabriel erschien und zu recitieren befohl, was er ihm vorsprach. Die Offenbarungen erfolg ten dann später vielfach unterbrochen fort bis an das Ende seines Lebens. Sie wurden von M. verschiedenen Schreibern diktiert, von seinen Anhängern aber sofort auswendig gelernt; die Zusammenstellung derselben als Koran (s. d.) erfolgte erst nach seinem Tode. In den ersten Jahren forderte M. nur seine Hausgenossen und Freunde auf, ihn als Prophet anzuerkennen. Dazu gehörten schon damals die nachherigen Kalifen Abu-Bekr, Ali, Othman u. a., Kaufleute wie M. selbst. Im fünften Jahre trat er nach längerm Kampf mit sich selbst in seiner Vaterstadt Mekka als Prophet auf, wurde indessen von seinen eigenen Stammgenossen, den Kureischiten, verspottet und selbst gemißhandelt. Die Lage der ersten Gläubigen (Moslems) wurde so mißlich, daß der Prophet seinen Anhängern riet, in das Land des christl. Fürsten von Abessinien auszuwandern. Er selbst fand sich durch den Schutz seiner nächsten Verwandten gegen die Gewaltthätigkeiten seiner Feinde fürs erste gesichert, doch that man ihn und seine Anhänger in den Bann, sodaß ein Teil derselben sich genötigt! sah, nach Abessinien auszuwandern. Zwei Jahre (617—619) lang blieb M. in immerwährender Gefahr, bis es seinen Freunden gelang, die Mekkaner zu bewegen, den über ihn ausgesprochenen Bann wieder aufzuheben und ihm zu erlauben, daß er ungehindert in Mekka bleibe. Die hber seiner Anhänger mehrte sich inzwischen zusehends. Bald darauf starb auch seine Frau Chadidscha, nach deren Tode er sich aufs neue verheiratete und die Zahl seiner Frauen allmählich so vermehrte, daß er dei seinem Tode noch neun hinterließ, unter welchen Aischa, die Tochter Abu-Bekrs, und Hafßa, die Tochter des nachherigen Kalifen Omar, die bekanntesten sind. Bald darauf trat ein Ereignis ein, welches den Grund zu der spätern reißend schnellen Verbreitung des Islam legte. M. gewann beim nächsten Wallfahrtsfest einige Medinenser aus dem mit ihm verwandten Stamme Chazradsch für seinen Glauben, welche in ihrer Heimat neue Proselyten machten. Die Zahl derselben vermehrte sich bald so, daß sie mit M. ein Schutz⸗ und Trutzbündnis schließen und ihn auffordern konnten, sich vor den Nachstellungen seiner Feinde zu ihnen zu flüchten, was er denn auch im Sept. oder, nach astronom. Berechnungen, schon im Juni oder uli 622 mit seinem Freund Abu-Bekr, nach moslem. Berichten nicht ohne Gefahr seines Lebens, that. Seine Anhänger waren ihm teils nach Medina vorangegangen, teils folgten sie ihm bald. Diese Flucht heißt Hedschra (s. d.), und die mohammed. Beitrechnung beginnt mit derselben. Die mit M. Ausgewanderten führen den Ehrennamen Muhadschirun (Ausgewanderte), während seine Anhänger in Medina Anßar (Hilfsgenossen) heißen. In Medina ließ M. es sich anfangs angelegen sein, die zahlreichen und angesehenen Juden daselbst für sich zu gewinnen, indem er ihnen mancherlei Konzessionen machte. Da der Erfolg seinen Wünschen nicht entsprach, hob er diese Konzessionen später nicht nur auf, sondern wurde bis an seinen Tod ihr erbittertster Feind, weshalb die jüd. Stämme Arabiens nach Erstarkung der Macht M.s viel zu leiden hatten. Nachdem M. den Bau der noch jetzt in Medina vorhandenen Moschee angefangen, gab er einige konstituierende Gesetze für die junge Gemeinde und änderte sein Verhältnis zu den Mekkanern und andern Ungläubigen. Sie sollten nicht mehr mit Worten bekehrt, sondern mit dem Schwert zum Glauben gezwungen werden. Bald begann er eine Reihe von Kriegszügen, die, gegen Karawanen und einzelne Feinde gerichtet, sich nicht viel von Raubzügen (Razzias) unterschieden, wie sie bei den Beduinen gäng und gäbe waren. Das erste eigentliche Treffen zwischen den Moslems und den Mekkanern fand im Monat Ramadhan des zweiten Jahres der Hedschra statt. M. war auch diesmal ausgezogen, eine aus Syrien zurückkehrende reichbeladene Karawane der Mekkaner auszuplündern. Die Karawane entkam; aber es fand ein heftiger Kampf zwischen den aus Mekka herbeigeeilten Hilfstruppen und den Gläubigen bei Bedr, zwischen Medina und Mekka, statt, in welchem M. Sieger blieb und viele Gefangene machte, für die er ein großes Lösegeld erhielt. Dieser Sieg war für die Sache M.s von den allergünstigsten Folgen begleitet, indem er eine Menge beutelustiger Leute unter seine Fahnen lockte. M. setzte nun seine Kämpfe gegen die Kureischiten und jüd. Stämme fort, und obwohl er außer andern Unfällen im dritten Jahr der Hedschra eine große Niederlage bei Obod, unweit Medina, erlitt und später sogar Medina selbst belagert wurde, so wuchs doch sein Ansehen und seine Macht so, daß er im sechsten Jahre nach der Flucht einen Aufruf zu einer Wallfahrt nach Mekka ergehen lassen konnte. Dieser blieb zwar ohne Erfolg, aber die Mekkaner schlossen mit ihm einen förmlichen Frieden, der ihn als ebenbürtigen Gegner anerkannte. Nun konnte M. ungehindert seine Sendboten nach ganz Arabien und außerhalb Arabiens mit mehr oder weniger Erfolg ausschicken und dem Vertrag gemäß im nächsten Jahre das Pilgrimfest drei Tage lang in Mekka feiern. M. sandte jetzt auch an auswärtige Fürsten, die von Iiun von Persien, von Abessinien und andere, Missionen, und die Mißhandlung eines Missionars in Syrien führte zum ersten Krieg zwischen dem Christentum und dem Islam. Der erste unglückliche Zug seines Heers nach Syrien verleitete die Mekkaner zur Verletzung des eingegangenen Friedens, und die Strafe dafür war die Croberung Mekkas, Zerstörung der Götzenbilder und die förmliche Besitznahme desselben für den Islam. Hiermit war der Sieg der neuen Lehre in Arabien entschieden, und M. genoß das Glück, noch bei seinen Lebzeiten die meisten Bewohner des Landes sich und seiner Religion wenigstens äußerlich unterworfen zu sehen. Er selbst kehrte wieder nach Medina zurück und empfing hier die Gesandtschaften der verschiedenen Stämme, welche ihm ihre Huldigungen darbrachten. Dann unternahm er außer andern Zügen noch einmal im neunten Jahre der Hedschra einen vergeblichen Feldzug gegen die Griechen an den Grenzen Arabiens. Im zehnten Jahre unternahm M. seine letzte feierliche Wallfahrt nach Mekka, um den dort vereinten Pilgern seine wichtigsten Gesetze und Lehren mündlich vorzutragen. Die Ceremonien dieser Wallfahrt gelten als Norm für die Wallfahrten aller Gläubigen. Dann kehrte er nach Medina (s. d.) zurück, wo er drei Monate darauf erkrankte. Nach einem heftigen Fieberanfall verschied er in der Hütte und in den Armen seiner Frau Aischa (8. Juni 632). Er wurde in derselben Wohnung, wo er gestorben, begraben, welcher Platz jetzt innerhalb der erweiterten Moschee gelegen ist. Vgl. Weil, (M. der Prophet, sein Leben und seine Lehrer (Stuttg. 1843); Sprenger, Das Leben und die Lehre des M. v (3 Bde., Berl. 1861—65); Nöldeke, Das Leben M.sv (Hannov. 1863); Caussin de Perceval, Essai sur Phistoire des Arabes avant PIslamismer (3 Bde., Par. 1847); Muir, (The life of Mahometo (4 Bde., Lond. 1858—61); Syed Ameer Ali, «A eritical examination of the life and teachings of Mahometo (Lond. 1873); Delaporte, KVie de Mahomet d'aprês le Coran et les historiens arabes (Par. 1874); Smith, „M. and Mohammedanismo (Lond. 1874); Krehl, (Das Leben und die Lehre M.sy (Bd. 1, Lpz. 1884).