Morbidität (vom lat. morbus, Krankheit) heißt in der Sanitätsstatistik das Zahlenverhältnis der Kranken zu den Lebenden; sie ist meistens auf die Durchschnittsziffer eines ganzen Jahres gegründet. Die statist. Untersuchung der Erkrankungen, der Dauer und des Ausgangs der Krankheiten erlangte zuerst in England und den Vereinigten Staaten allgemeinere Anerkennung, wird aber jetzt auch in Deutschland mit dem größten Eifer betrieben. Wegen der geregelten Registerführung in Militärlazaretten, Knappschafts⸗, gewerblichen Unterstützungsvereinen, Krankenkassen der Eisenbahnarbeiter u. dgl. konnte man schon seit längerer Zeit den Durchschnittsstand der diesen Kassen u. s. w. angehörigen Mitglieder mit dem mittlern Krankenbestande vergleichen und dadurch nicht allein Verbesserungen in der Gesundheitspflege der betreffenden Volksklassen anbahnen, sondern auch die Beitragsleistungen zu den gemeinschaftlichen Ausgaben regulieren. Die Berechnung der M. für die Bevölkerung ganzer Städte und Landschaften erfordert so viel Sorgfalt und Mühe, daß man bisher nur den Epidemien ½ bei denen Anmeldepflicht gesehlich besteht, richtige Morbiditätsziffern feststellte. Das Reichsgesundheitsamt erfüllt durch deren Veröffentlichung einen Teil seiner Aufgaben. Litteratur. Ssterlen, »Handbuch der mediz. Statistike (Tüb. 1865); A. Oldendorf, Die Jahresberichte der deutschen Lebensversicherungsgesellschaften und ihre Bedeutung für die Medizinalstatistiko (Berl. 1874); G. Mayr, »Die Gesetzmäßigkeit im Gesellschaftslebend (Münch. 1877).