FeedSalpetersäure
NaturlehreBrockhaus 1882

Salpetersäure (lat. acidum nitricum, frz. acide azotique), HNO, oder NO. OH, eine der wichtigsten Mineralsäuren, kommt in der Natur nie frei, sondern nur in Gestalt salpetersaurer Salze vor, so als salpetersaures Ammonium in der Luft und im Regenwasser, besonders nach Gewittern, ferner als salpetersaures Natron im Chile- oder Perusalpeter und als salpetersaures Kali und Kalk in der Ackerkrume, in den Wänden der Ställe, im Boden in den Puszten Ungarns und den Niederungen des Ganges und anderer Flüsse Indiens. Man stellt die S. durch Zersetzen von Natronsalpeter mit konzentrierter Schwefelsäure unter Mitwirkung von Wärme her, wobei die S. als eine farblose Flüssigkeit von 1,55 spezifischem Gewicht, welche bei etwa 86* zu sieden beginnt, übergeht. An der Luft verbreitet sie weiße Dämpfe. Sie ist im höchsten Grade ätzend, stark sauer und bildet mit Wasser verschiedene Hydrate der S., von denen das eine von 1,22 spezifischem Gewichte, in 100 Teilen 50 — 52 Proz. S. enthaltend, früher den Namen Scheidewasser führte. Außerdem existiert ein Anhydrid N. O,, welches durch Einwirkung von Chlor auf Silbernitrat erhalten wird. Sie gibt leicht ihren Sauerstoff ab und ist daher ein kräftiges Oxydations⸗ und Lösungsmittel vieler Metalle und Nichtmetalle. Stickstoffhaltige organische Stoffe, wie Haut, Horn, Wolle und Seide, werden von der S. dauernd gelb gefärbt. Ein Gemisch von S. mit Untersalpetersäure (Stickstofftetroryd) ist gelbrot und führt den Namen rote rauchende Salpetersäure (acidum nitricum fumans); sie hat ein spezifisches Gewicht von 1,520bis 1,525. Die Anwendung der S. ist eine höchst vielfältige, man verwendetsie z. B. massenhaft zur Darstellung des pharmaceutischen und photographischen Zwecken dienenden salpetersauren Silbers (Höllenstein), ferner des Nitrobenzols (welches den Ausgangspunkt zur Bereitung des Anilins und Fuchsins bildet), des Nitroglycerins, der Schießbaumwolle, der Pikrinsäure, der Phtalsäure, des Alizarins, des Knallquecksilbers u. s. w. Mit den Basen bildet die S. die salpetersauren Salze oder Nitrate, die (mit Ausnahme des basisch-salpetersauren Wismuts) alle in Wasser löslich sind und, auf glühende Kohlen gebracht, mit Heftigkeit verpuffen. Die wichtigern derselben sind das salpetersaure Kali (Salpeter), das salpetersaure Natron (Peru-oder Chilisalpeter), das salpetersaure Ammoniak, das salpetersaure Silber Göllenstein) und das salpetersaure Eisen, welches unter dem Namen Rostbeize oder Rouille in der Seidenfärberei Verwendung findet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 152Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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