FeedGlaubersalz
NaturlehreBrockhaus 1882

Glaubersalz, Glaubers Wundersalz, schwefelsaures Natron, Natriumsulfat, Na: S0, oder krystallisiert Na. S0. 10H. O, wurde 1658 von Johann Rudolf Glauber (s. d.) unter dem Namen Sal mirabile Glauberi + beschrieben. Es bildet große farblose Säulen, we 80 einen kühlend-bittern Geschmack besitzen, an trockener Luft zu einem weißen Pulver von wasserfreiem Salz zerfallen und sich bei gewöhnlicher Temperatur in zwei Teilen Wasser lösen. In der Natur findet sich das G. krystallisiert wasserfrei als Thenardit, in Verbindung mit Gips als Glauberit, in Verbindung mit sche: felsaurer Magnesia als Astrakanit, ferner in bedeutender Menge in dem Wasser einiger Seen Rußlands, in vielen Mineralwässern, so in dem karlsbader, püllnaer und saidschützer Wasser, in den meisten Salzsolen und im Meerwasser. In einigen Ländern wittert es aus der Erde, z. B. in den eintrocknenden Seen der Araxasebene, bei Bahia-Blanca in Südamerika, in Tirol zugleich mit Gips und Steinsalz; auch findet es sch als Auswitterung an alten Mauern, an denen es durch Zersetzung von Kochsalz mit Gips entsteht. Man erhält es in den chem. Fabriken bei der Bereitung der Salzsäure, der Salpetersäure aus Chilesalpeter und des Salmiaks. Außerdem stellt man es aus dem Pfannenstein und der Mutterlauge der Salinen dar. In neuerer Zeit gewinnt man es auch im südl. Frankreich aus den Mutterlaugen der Seesalinen und als Nebenprodukt bei der Verarbeitung der staßfurter Salze. Das krystallisierte Salz wird als Abführmittel angewandt, das wasserfreie Salz, welches technisch den Namen Sulber führt, dient in größter Menge zur Fabrikation er Soda, des Glases und des Ultramarins. Zur technischen Darstellung des krystallisierten Salzes bedient man sich vorzugsweise der Mutterlaugen der Salinen, nachdem dieselben so weit verotten sind, bis das niederfallende Salz, durch sich eimengende Magnesiumsalze, als Speisesalz nicht mehr verwendbar i Die Mutterlaugen enthalten dann neben Chlornatrium reichliche Mengen von schwefelsaurer Magnesia, und diese beiden Salze haben die Eigenschaft, in konzentrierter Lösung und bei Frostkälte sich gegenseitig zu zersetzen unter Bildung von schwefelsaurem Natron und Chlormagnesium. Um diese Hen Reser zu bewirken, werden die Laugen in großen Reservoirs aufgespeichert und bleiben bis zum Winter stehen, wo dann das Salz in großen, oft meterlangen Krystallen sich ausscheidet. Auf gleiche Weise erhält man es aus den Löserückständen der staßfurter Abraumsalze, welche vorzugsweise aus Kieserit oder schwefelsaurer Ma * und Steinsalz bestehen. Diese werden in kochendem Wasser, zweckmäßig unter Zusatz von Chlormagnesiumlauge, gelöst, die Flüssigkeit wird im Winter in großen flachen hölzernen Behältern der Frostkälte ausgesetzt. Die Darstellung des Eodafah Salzes oder Sulfats ist immer mit der Sodafabrikation (s. d.) verbunden, da es zugleich Rohmaterial für diesen wichtigen Industriezweig ist. Sie erfolgt durch H—— von Chlornatrium unter gleichzeitiger ewinnung der Salzsäure, die dabei wichtiges Nebenprodukt ist. Es kommen dabei zwei Methoden in Betracht. Bei dem ältern, aber am allgemeinsten verbreiteten Verfahren wird Kochsalz direkt durch Schwefelsäure zersetzt. Die Operation wird in gußeisernen, runden, schalenförmigen Pfannen bei mäßiger Temperatur eingeleitet und später bei Rotglut beendet. Es dienen dazu eigene Ofen, die Sulfatöfen, mit direkter oder mit Gasheizung, wobei die Verbrennungsprodukte entweder (am häufigsten) unmittelbar in den Calcinierraum des Flammofens eintreten oder denselben als Muffelofen von außen bestreichen. Die Zersetzungspfanne liegt am Kopfende des Calcinierraums und ist so mit demselben verbunden, daß die dickbreiig werdende Masse leicht in den Die . Teil des Ofens überschöpft werden kann. ie Pfanne hat jetzt meist direkte Feuerung, ausnahmsweise, bei kleinerm Betriebe, wird sie durch die abgehende Wärme des Calcinierraums geheizt. Die in der Pfanne und im Calcinierraum sich entwickelnden Dämpfe der Salzsäure werden in Cokstürmen (s. d.) verdichtet. Nach einem neuern, von Hargreaves eingeführten Verfahren umgeht man die kostspielige Darstellung der Schwefelsäure dadurch, daß man auf erhitztes Kochsalz zugleich schweflige Säure, Sauerstoff der Luft und Wasserdampf einwirken läßt. Eonversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. Zur Ausführung der Operation dient ein System von untereinander verbundenen, großen eisernen Cylindern, die mit Salz gefüllt werden. Der erste der Cylinder der Reihe ist mit den Kiesbrennern verbunden, in denen die schweflige Säure unter Zuführung eines Überschusses von Luft erzeugt wird; gleichzeitig mit der schwefligen Säure wird Wasserdampf zugeleitet. In Berührung mit dem Chlornatrium findet dann die Reaktion statt, bei welcher schwefelsaures Natron und entweichende Chlorwasserstoffsäure gebildet wird. Die Gase durchströmen die at d. Reihe der Cylinder, aus dem letzten entweicht dann nur noch Chlorwasserstoffsäure und Stickstoff der Luft, beide werden durch einen Erhaustor beständig abgesaugt und Coks türmen zugeführt, in denen die Salzsäure verdichtet wird. Nachdem die Füllung des ersten Cylinders bvollständig zersetzt ist, wird der ½ der Gase durch Auswechselung von Verbindungsröhren auf den zweiten Cylinder gestellt, während der erste entleert und wieder frisch gefüllt wird; dieser wird dann zum letzten der Reihe gemacht. Bei eingeleitetem Betriebe treten die frischen Gase demnach immer zuerst in einen Cylinder, dessen a it, bereits größtenteils in Sulfat verwandelt ist, und passieren zuletzt, am Ende der Reihe, noch einen mit frischem Salz beschickten Cylinder. Die Rentabilität, ja die Ausführbarkeit dieses Verfahrens ist von manchen Seiten bezweifelt worden, 7 hat es sich jetzt im Großbetriebe, wenn auch nach liber⸗ ——— vielfacher Schwierigkeiten, vollkommen ewährt. Vielfache andere in Vorschlag gebrachte Methoden, bei denen die Darstellung der Schwefelsäure umgangen werden sollte, oder bei denen man zur Zersetzung des upeDalte andere leicht zu gewinnende schwefelsaure Salze, z. B. Gips, Cisenvitriol verwenden wollte, haben sich für den Großbetrieb als nicht geeignet erwiesen und sind da, wo sie in Anwendung gekommen, wieder verlassen worden. [Vgl. Kerl und Stohmann (Muspratt!]: Encyklopad. Handbuch der technischen Chemies (3. Aufl., Bd. 4, Artikel Natriumv, Braunschw. 1877); Lunge, «Handbuch der Soda-Industries (2 Bde., Braunschw. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 96Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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