FeedSämund
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sämund (Sæmundr hinn frodi, d. i. der Kundige), gelehrter Jsländer des 12. Jahrh., Sohn des Sigfus, eines Geistlichen zu Oddi im südl. Island, geb. zwischen 1054 und 1057. Frühzeitig unternahm er Reisen nach Deutschland, Frnnhreich und Italien, wo er, schon fast verschollen, von seinem Landsmann Jon Ogmundarson, dem spätern Bischof von Holar, wieder aufgefunden und nach Island zurückgeführt worden sein soll. Hier ließ er sich auf seinem Gute Oddi nieder und wurde Priester. In hohem Alter scheint er das Leben der norweg. Könige von Harald Haarfager bis zu Magnus dem Guten (gest. 1047) geschrieben zu aben, eine Arbeit, die zwar in ihrer ursprüngichen Gestalt nicht auf uns gekommen ist, aber bei dem hohen Ansehen, in welchem er als Geschichtskundiger stand, den Schriften anderer zur Grundlage gedient und auszugsweise in einem dem Enkel S.s, Jon Loptson, gewidmeten Gedicht (unter dem Titel Jon Loptsons encomiasto, herausg. von Erichson, Kopenh. 1787; besser in Fornmannasögury, Bd. 10 und Flateyjarböky, Bd. 2) erhalten ist. Sein Anteil an der nach ihm benannten ältern oder poetischen Edda (s. d.) ist zweifelhaft; gewiß ist dagegen, daß er sowohl bei der Einführung der Zehntlast (1097) als bei der des ältesten Christenrechts (1122—33) auf Island seinen Einfluß geltend machte. Er starb 1133. Bald nach seinem Tode knüpften sich an ihn mannigfache, noch jetzt auf Island bewahrte Sagen von seiner Zauberkunst und seinem Verkehr mit dem Teufel. Vgl. Maurer, «Isländ. Volkssageno (Lpz. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 176Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6