FeedSaugdrain
Haus & KücheBrockhaus 1882

Saugdrain, s. unter Drainierung. Sänugen und Säugling. Das Kind soll bis in den g. oder 12. Monat nur durch Säugen genährt werden, weil künstlich aufgefütterte Kinder nur bei Aufwendung großer Sorgfalt so gut wie gesäugte gedeihen und viel leichter schweren Erkrankungen ausgesetzt sind. Das körperliche und moralische Gedeihen des Kindes macht es jeder Mutter zur Pflicht, ihr Kind selbst zu säugen, und nur dann, wenn die Mutter selbst krank, wenn sie zu wenig Milch zu gewähren vermag, oder im Fall wiedereintretender Schwangerschaft darf zu andern Ernährungsweisen übergegangen werden. Am besten wird dann der Säugling einer Amme (s. d.) anvertraut. In Fällen, wo keine solche zu beschaffen ist, soll die Nahrung des Kindes lediglich aus Milch bestehen. Man reiche ihm verdünnte abgekochte Kuhmilch, welcher durch Zusatz von Milchzucker die Süßigkeit der Frauenmilch erteilt werden kann. Falls das Kind die Kuhmilch in verschiedenen Verdünnungsgraden nicht verträgt, gebe man ihm die Liebigsche oder Löflundsche Kindernahrung, das Nestlesche Kindermehl oder das Biedertsche Rahmgemenge. (S. Auffütterung.) Das Wundwerden der Brust ist nicht immer genügender Grund, das Kind nicht mehr zu stillen. Das Anlegen von Kautschukhütchen ermöglicht auch bei wunder Brust das Säugen, schützt die Brust vor weitern Verletzungen und befördert die durch Reinlichkeit und Aufstreichen von Fett oder Rum unterstützte Heilung. Gegen die Zeit hin, wo das Kind entwöhnt werden soll, beginne man mit der Darreichung anderer Speisen, namentlich mit Kuhmilch. (über den besten „Zeitpunkt und die zweckmäßigste Art des Entwöhnens s. Entwöhnung.) Der gefährlichste Zustand, welcher im Säuglingsalter eintreten kann, sind vor allem die Durchfälle, welche namentlich künstlich genährte Kinder befallen, die davon in sehr großer Zahl hinweggerafft werden. Bei Eintritt solcher Durchfälle ist sofort ein Arzt zu Rate zu ziehen und dem bloß gefütterten Kinde eine Amme zu geben. Vgl. Ammon, Die ersten Mutterpflichten und die erste Kindespfleges (27. Aufl. von Winckel, Cpz. 1885); Fürst, Das Kind und seine Pflege im gesunden und kranken Zustande (2. Aufl., Lpz. 1876); Baginsky, «Die Pflege des gesunden und kranken Kindeso (3. Aufl., Stuttg. 1885). Säugetiere (Mammalia) sind warmblütige, luftatmende, meist behaarte Wirbeltiere, welche lebendige Junge gebären und dieselben säugen. Sie stehen hinsichtlich ihrer gesamten Organisakion an der Spitze der Wirbeltiere. Einige, wie die an 30 m langen und 250000 Pfd. schweren Wale sind die größten unter allen der Jetztwelt angehörenden Tieren; andere erreichen nie eine bedeutende Größe, und selbst ganze Gattungen, z. B. die Spitzmäuse, sind zwerghaft. Bekleidet sind sie mit Haar, welches von mannigfacher Beschaffenheit, hier in Wolle, dort in Borsten, Stacheln oder Schuppen übergeht, mit Ausnahme einiger Waltiere nirgends ganz fehlt, auch am Schuppentier als Bestandteil der harten Bekleidung nachweisbar ist und den S. im Gegensatz zu den Vögeln den Namen Haartiere verschafft hat. Fast niemals sind S. von sehr bunter Färbung. Ihre Bewegungswerkzeuge ändern sich in Gestalt und Einrichtung je nach Bedürfnis und Bestimmung der Familien oder Gattungen. Sie erscheinen als greifende Hände bei Menschen, Affen und einigen Beuteltieren, als flügelartige Gebilde bei den Fledermäusen, als Flossen am Waltiere und als zur Ortsbewegung allein bestimmter Fuß bei den meisten. Sie sind zum Laufen, Springen, Klettern, Graben, Schwimmen u. s. w. eingerichtet und mit zwei bis fünf Zehen versehen, auf deren verschiedenartiger Bewaffnung die Einteilung in Nagel⸗, Krallen-und Huftiere beruht. Je nachdem ein S. den Boden mit der ganzen Sohle, wie der Bär, oder nur mit den Zehen, wie Hund und Katze, im Gange berührt, heißt es Sohlengänger oder Zehengänger, Unterschiede, welche darum wichtig sind, weil sie mit dem Bau des Tiers und also auch mit seiner Lebensweise zusammenhängen. Von noch größerer Bedeutung ist die Gestaltung des Schädels. Alle Schädel⸗ und Gesichtsknochen sind stets fest miteinander verwach. sen, nur der Unterkiefer beweglich eingelenkt. Das Gebiß ist sehr mannigfaltig. Zähne fehlen den Bartenwalen nur den Ameisenfressern und Schuppentieren. Bei dem Schnabeltiere hahen die Kiefer nur einen einzigen Backenzahn, und Gürteltiere und Faultiere sind mit wenigen Zähnen versehen, in größter Zahl sind sie bei gewissen Beuteltieren vorhanden. Ihrer Stellung nach heißen sie Vorder⸗, Eck⸗ und Backenzähne. Die erstern stehen stets im Zwischenkieferknochen; die Eckzähne, deren auf jeder Seite nur einer vorhanden sein kann, sind die vordersten im Kieferknochen, dessen übrigen Raum die Backenzähne einnehmen, von denen die vordersten zuweilen noch einwurzelig sind und dann Lückenzähne heißen. Fast bei allen S. wird eine größere oder geringere Zahl von Zähnen, die Milchzähne heißen, während der Jugend gewechselt, man unterscheidet daher zwischen Milchgebiß und definitivem Gebiß. Die Zähne sind von einfachem oder zusammengesetztem, zugleich aber so beständigem Baue, daß sie eins der wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale abgeben. Zwischen den Werkzeugen der Bewegung und der Ernährung, zu welchen letztern auch die Zähne gerechnet werden, herrscht eine genaue Beziehung. Der Wiederkäuer hat stets Hufe, das Raubtier unverwachsene, Krallen tragende Zehen u. s. w. Je nach der Art der naturgemäßen Nahrungsstoffe sind nicht allein die Zähne und die Einlenkung des Unterkiefers verschieden, sondern auch die Bildung des Magens, welcher einfach bei Fleischfressern,‚ vierfach bei den Wiederkäuern ist, Extreme, zwischen denen wieder mehrere Mittelstufen liegen. Das einzige Werkzeug des Atmens sind die Lungen; das Blut ist rot und bei allen S. von ziemlich gleicher Temperatur. Die relative Größe, sowie der Bau des Gehirns wechselt je nach den Familien und bedingt die Entwickelung der bei manchen schärfer hervortretenden intelligenten Fähigkeiten. Die in der Fünfzahl vorhandenen Sinne besitzen oft große Schärfe, sind aber bei demselben Tiere niemals alle gleich vollkommen. Einer vertritt nicht selten zum Teil den andern, z. B. am Hasen, wo das scharfe Gehör für das am Tage minder scharfe Gesicht Ersatz leistet. Die äußern Sinneswerkzeuge richten sich in ihrer Bildung nach dem Bedürfnisse und der Bestimmung eines Tiers und. bieten daher der Beobachtung Reihen der interessantesten Modifikationen. So ist z. B. das Ohr durch Klappen verschließbar bei solchen, die im Wasser leben; das Auge sehr konvex und mit spaltförmiger Pupille versehen bei nächtlichen und sehr klein bei unterirdischen S.; die gewöhnlich kurze Nase wird am Clefanten zum Rüssel, am Ameisenfresser die wurmförmige Zunge zum Werkzeug des Erhaschens der Beute, und selbst das Organ des Fühlsinnes, die Haut, erfährt da, wo die Notwendigkeit einer großen Steigerung jenes Sinnes vorliegt, wie bei den Fledermäusen, eine ungemeine Äusbildung und Vergrößerung. Alle S. gebären lebendige Junge und säugen sie an den je nach der Gattung in verschiedener Menge (2—18) vorhandenen Warzen der milchführenden Organe. Sie leben teils im monogamischen, teils im polygamischen Verhältnisse, im erstern viele Raubtiere und Affen, im letztern viele Wiederkäuer und die meisten Nager. Ihre Fruchtbarkeit ist durch Naturgesetze geregelt, wobei im allgemeinen gilt, daß, je größer eine Art ist, sie auch um so länger im Zustande der Trächtigkeit verharrt und eine um so geringere Zahl von Jungen bei jeder Geburt zur Welt kommt. Das Meerschweinchen kann in einem Jahre 80 Junge haben, die Löwin ein einziges. Der Nachkommenschaft nehmen sich wenig-Kens die Weibchen mit vieler Zärtlichkeit und mit Mut an: allein sie entwickeln, mit Ausnahme einiger Nager, nicht jenen Kunsttrieb, der unter den Vögeln im Nesterbaue sich darlegt. Gegenüber i den periodischen Wechseln, welche der Erdkörper erfährt, sind die S. Tagtiere, Nachttiere, Winterschläfer oder Wanderer. Wohnorte, Okonomie, Lebensart und Sitten bieten unter den Tieren einer so großen, über 2500 Arten begreifenden und wohlausgerüsteten Klasse ein Bild voll der interessantesten und zugleich mannigfaltigsten Wechsel. Die Klasse der S. ist teils aus diesem Grunde, teils auch der Anatomie wegen sehr genau studiert worden und für den Menschen die wichtigste, weil sie die den Kulturgang bestimmenden Haustiere umfaßt. Ihre systematische Einteilung ist je nach den Gesichtspunkten, von denen man ausging, sehr verschieden aufgefaßt worden. Ziemlich allgemein erkennt man jetzt an, daß zuerst nach der Art der Fortpflanzung zwei große Reihen unterschieden werden müssen, die Didelphen, bei welchen die Jungen im unausgebildeten Zustande geboren werden und sich während des Säugens, meist in einem besondern Beutel, entwickeln, dessen Trageknochen auch beim Fehlen des Beutels vorhanden sind. Diese S. haben zugleich ein sehr unvollkommenes Gehirn. Es gehören dazu die Kloakentiere (Monotremata), wozu das Schnabeltier und der Ameisenigel, und die Beuteltiere (Marsupialia), die besonders in Australien vertreten sind. Zu den Monodelphen, die ausgetragene Junge gebären, gehören die übrigen S. Unter diesen unterscheidet man folgende Ordnungen: Zahnarme (Edentata s. Bruta) mit Krallen an den Füßen, ohne Schneide- und meist auch ohne Eckzähne; Waltiere (Cétacea s. Natantia) mit zwei Flossen, Nasenlöchern auf dem Scheitel und bauchständigen Zitzen; Seekühe (Sirenia) mit zwei Flossen, Nasenlöchern an der Schnauzenspitze, brustständigen Zitzen; unpaarzehige Dickhäuter (Perissodactyla) mit fünf, drei oder einer Zehe an allen oder wenigstens den Hinterfüßen; paarzehige Dickhäuter (Artiodactyla) mit paarigen Zehen an allen Gliedmaßen; Rüsseltiere oder Elefanten (Proboscidea), Zehen verwachsen mit flachen Hufen, Nase zu einem Rüssel entwickelt, keine Eckzähne, ein zu einem Stoßzahn umgebildeter Schneidezahn in jedem Zwischenkiefer oder im Unterkiefer oder in beiden; zahne, Beh (Lamnungia s. Hyracoidea), ohne Eckzähne, Zehen mit glatten, flachen Hufen, Innenzehe des Hinterfußes mit Kralle; Flossenfüßer (Pinnipedia) mit vier Flossen und Raubtiergebiß; Raubtiere (Carnivora) mit Krallen und dreierlei scharfschneidenden Zähnen; Nager (Rodentia) mit Krallenfüßen, meißelartigen Schneidezähnen, fehlenden Eckzähnen; Insektenfresser nsectivora) mit Krallen und dreierlei spitzzackigen Zähnen; Flugsäuger (Chiroptera), Gebiß mit allen drei Zahnarten, vordere Extremität zu einem Flugorgan umgestaltet; Galagos (Galeopithecoidea s. Dermoptera), alle drei Arten von Zähnen, mit einer die vordere Extremität bis zu den Fingerspitzen, die hintere Extremität und den kurzen Schwanz einhüllenden seitlichen Hautfalte; Halbaffen (Lemuroideéa), meist an allen vier der mit gegenüber stellbarer Innenzehe, Endglieder der Zehen meist mit Nägeln, selten mit Krallen; Affen (Primates s. Quadrumana pr. p.), mit vier nageltragenden Händen; Zweihänder (Mensch, Bimana), vorn Hände, hinten Füße mit Plattnägeln. Die ersten Spuren von fossilen S. hat man in der Trias, im Keuper bei Stuttgart gefunden; mehr im Jura und in der untern Kreide von England (Stonesfield, Purbeck); alle diese alten Typen gehören den Beuteltieren an; massenhaft treten sie erst mit den Tertiärgebilden auf, aber in ganz andern Verhältnissen als jetzt und nur mit ausgestorbenen Formen, welche allmählich in die jetzt lebenden Typen übergehen. Vgl. Wagner, Die geogr. Verbreitung der (Münch. 1851); Giebel, „Die S. in zoolog., anatom. und paläontologischer Beziehunge (Lpz. 1853-56); Blasius, «Naturgeschichte der S. Deutschlands und der angrenzenden Länder Mitteleuropas (Braunschw. 1857); Brehm, „Illustriertes Tierlebeno (2. Aufl., Bd. 1—3, Lpz. 1876 —77).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 259Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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