Schildpatt oder Schildkrot (frz. écaille de tortué, engl. tortoise-shell) nennt man das der Hornsubstanz (s. Horn) nahe verwandte Material, aus welchem die äußere Bedeckung der Rückenschale bei den Schildkröten, insbesondere bei der Caretschildkröte (s. d.), gebildet ist. Das Rückenschild der letztern liefert 13 Platten von 3 bis 6,5 mm Dicke, von denen die größten etwa 48 em lang sind, von gelbroter oder gelber Farbe mit schwarzbraunen Flecken und Flammen. Je dicker und durchscheinender das S., je reiner seine Zeichnung ist und je feuriger seine Farben sind, desto mehr wird es geschätzt. Es läßt sich spalten und, durch Hitze erweicht, beliebig biegen, in Formen pressen und durch Druck noch leichter als Horn zu einem Stück vereinigen, worauf es ohne Abkühlung in kaltem Wasser schnell wieder fest wird. Die Bearbeitung desselben geschieht wie diejenige des Horns durch Zersägen, Raspeln und Schaben, das Polieren mit Bimssteinpulver und Tripel. Man verwendet das S. zu den verschiedensten Galanterie-H, Gebrauchs- und Luxusgegenständen, namentlich zu Kämmen, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. Dosen, Brillengestellen, Messerschalen, Fächern, eingelegter Arbeit u. s. w. Das beste S. ist das ostindische, für welches Singapore ein Haupthandelsplatz ist. Des hohen Preises wegen wird S. vielfach künstlich nachgeahmt, oder es wird wenigstens mit solchem von minder schöner Zeichnung durch Beizen mittels alkalischer Bleilösungen schöner gezeichneten imitiert. Nachahmungen des S., welche indes den Kenner nicht täuschen, werden aus Horn, Leim⸗ oder Gelatinefolien durch Anwendung chem. Mittel nach verschiedenen Verfahrungsweisen dargestellt. Das S. ist dichter und elastischer als Horn und blättert sich nicht wie dieses ab; auch ist es durchsichtiger und sehr politurfähig.