FeedSigel (Franz)
GeschichteBrockhaus 1882

Sigel (Franz), bad. Revolutionär, später amerik. General, 805 18. Nov. 1824 zu Sinsheim, trat 1841 als Kadett in die Kriegsschule zu Karlsruhe ein, wurde 1844 Lieutenant in einem bad. 6b. terieregiment, nahm aber 1847 seinen Abschied, um die Rechte zu studieren. Er beteiligte sich im Frühjahr 1848 an der Revolution im bad. Oberlande, flüchtete dann in die Schweiz und ward, als der bad. Aufstand im Frühjahr 1849 ausbrach, zum Kommandanten der Truppen des Oberrhein⸗ und Seekreises, dann als Oberkommandant der Truppen am Neckar ernannt. Nach der Niederlage bei Heppenheim wurde S. Kriegsminister und Mitglied der Provisorischen Regierung, später Generaladjutant Mieroslawskis und gegen Ende des Feldzugs Obergeneral der bad.⸗pfälz. Truppen und führte schließlich die Trümmer derselben über den Rhein auf schweiz. Gebiet Dort wurde er 1850 ausgewiesen und begab sich nach England, von da ö 1852 nach Amerika, wo er in Neuyork als Ingenieur und als Lehrer thätig war. Im J. 1858 siedelte er nach St.⸗Louis über und wurde Lehrer der Mathematik und Geschichte beim Deutschen Institut. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs stellte sich S. der Bundesregierung zur Verfügung und errichtete ein Infanterieregiment und ein Artilleriebataillon, die bei der Besetzung des Arsenals von St.-Louis und der Einnahme des Camp Jackson 10. Mai 1861 wichtige Dienste leisteten. Er lieferte 5. Juli das Treffen von Carthage, das erste glückliche Gefecht des Kriegs, und nahm 10. Aug. hervorragenden Anteil an der Schlacht von Wilson's-Creek bei Springfield. Unter Fremont, der das Kommando in Missouri übernommen, befehligte S. die Vorhut, im November unter Hunter die Nachhut der Bundestruppen, mit welcher er zu Anfang 1862 unter Curtis' Oberbefehl wieder vorrückte und den Feind bis an die Grenzen von Arkansas verfolgte. An der Spitze von 7000 Mann gewann S. 7. und 8. März 1862 den glänzenden Sieg von Pearidge, der ihm den Rang eines Generalmajors einbrachte, nachdem er schon im Mai 1861 zum Brigadegeneral gestiegen war. Im Mai nach dem Osten berufen, übernahm er 1. Juni 1862 den Befehl über die Truppen bei Harpers-Ferry und gegen Ende des Monats das Kommando des 1. Korps der Armee von Virginien. In dieser Stellung bestand S. verschiedene glückliche Gefechte am Rappahannock und befehligte den rechten Flügel 28. bis 30. Aug. 1862 in der zweiten Schlacht am Bull— Run (s. d.), wo er eine Niederlage abwendete. Nachdem M'Clellan den Oberbefehl der Armee an Popes Stelle wieder übernommen, hielt S. an der Spitze des 11. Korps die vorgeschobene Stellung von Fairfax-Court-House in Centreville zur Deckung von Washington inne. Wegen vielfacher Kränkungen zog sich S. im Frühjahr 1863 vom Kommando zurück. Im Frühjahr 1864 wieder in den aktiven Dienst getreten, übernahm er das Departement von Westvirginien, sah sich jedoch mit seinen 5000 Mann von dem ihm überlegenen Breckinridge bei Neumarket zum Rückzug aus dem Shenandoah-Thal gezwungen und mußte dem General Hunter Platz machen. Seitdem nahm S. keinen thätigen Anteil mehr am Kriege. Nachdem er im Mai 1865 aus dem Heere ausgetreten, ging er nach Baltimore, wo er Miteigentümer und Chefredacteur des Bal“ timore-Weckerr wurde. Nachdem er diese Stellung im Juli 1866 aufgegeben, siedelte er im Sept. 1867 nach Neuyork, später nach St. Louis über, wo er 15. März 1884 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 811Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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