Schinkel (Karl Friedr.), einer der größten und vielseitigsten Künstler der neuern Zeit, wurde 13. März 1781 zu Neuruppin geboren, wo sein Vater Superintendent war. Nach dem Tode desselben setzte er die auf dem Gymnasium begonnenen Studien in Berlin fort, wohin die Mutter 1795 mit ihm zog. Er genoß ein Jahr lang den Zeichenunterricht bei Oberbaurat Gilly und wurde hierauf der Schüler von dessen Sohne, dem Bauinspektor Friedrich Gilly. Als letzterer starb, vertraute man S. die Fortsetzung aller architektonischen Privatarbeiten des Verstorbenen an. Zugleich setzte er das theoretische Studium der Bauwissenschaft auf der Bauakademie fort und ging dann 1803 nach Italien. Im J. 1805 kehrte er über Frankreich nach Berlin zurück. Da die Kriegsperiode der Bauthätigkeit Einhalt gebot, griff er 1806 zur Landschaftsmalerei und wußte den klimatischen Charakter der Natur und den Zusammenhang der architektonischen Welt mit dieser auf überaus feine und charakteristische Weise wiederzugeben. Am bekanntesten ist das die Blüte Griechenlands benannte Bild, Geschenk der Stadt Berlin an die Prinzessin Friedrich der Niederlande (gestochen von Witthöft), worin er das Werden einer hellenischen Stadt am Meeresstrande veranschaulicht. Auch malte er von 1808—14 die berühmt gewordenen Dioramen für Gropius. Im Mai 1810 kam er als Assessor in die Baudeputation, und die Akademie der Künste nahm ihn 1811 unter ihre Mitglieder auf. Im Dez. 1820 wurde er Professor bei derselben. Im Mai 1815 erhielt er die Stelle eines Geh. Oberbaurats, und 1819 trat er in die technische Abteilung im Ministerium für Handel, Gewerbe und Bauwesen. Seinen Ruf begründete zunächst das Gebäude der neuen Königswache in Berlin, sodann das Kriegsdenkmal auf dem Kreuzberge, das neue Schauspielhaus, die neue Schloßbrücke, die Anlage des neuen Potsdamer Thores, der Neuen Wilhelmsstraße und der Ingenieur⸗ und Artillerieschule in Berlin, das Casino in Potsdam, das Schlößchen Tegel, die Villa des Geheimrats Gräfe im Tiergarten bei Berlin, das Casino im Garten des Prinzen Karl zu Glienicke bei Potsdam, das Cavalierhaus auf der Pfaueninsel und mehrere andere Schlösser, Landhäuser, Kirchen und öffentliche Gebäude in den Provinzen. Das Neue Museum, die weitern Anlagen, welche daraus folgten, die Bauschule, die Nikolaikirche in Potsdam, das königl. Landhaus in Charlottenhof, die Werdersche Kirche in Berlin und andere Bauten vollendeten seinen Ruhm. Im J. 1839 wurde er zum Ober-Landesbaudirektor ernannt. Doch alsbald von einer Gehirnlähmung betroffen, starb er 9. Okt. 1841. Sein Denkmal (Bronzestatue von Max Wiese, gegossen von Gladenbeck) in Neuruppin wurde 28.Okt. 1883 enthüllt. S. gehört zu den bahnbrechenden Geistern auf seinem Kunstgebiet. In seinen Bauten zeigt er sich höchst gewissenhaft in der Komposition. Er verstand es besonders, die Form eines Gebäudes aus seiner Bestimmung zu entwickeln, und vermied alle Willkür im einzelnen. Insbesondere geben seine nicht zur Ausführung gelangten Entwürfe eine Anschauung seines Wollens und Könnens: dahin gehören der beabsichtigte Umbau der Akropolis von Athen zu einem griech. Königspalast, die Pläne des Schlosses Orianda, des Palastes für den Prinzen von Preußen, des Denkmals Friedrichs d. Gr. und anderes. Vgl. seine Sammlung architektonischer Entwürfer (26 Hefte, Berl. 1820—37; 2.Aufl., Potsd. 1841—45; 3. Aufl. 1857—58); ferner seine (Werke der höhern Baukunsto (Abteil. 1 u. 2, Potsd. 1855—46; 2. Aufl. 1862, neue Ausg. 1873). S. hat auch hohe Begabung für die Historienmalerei im großen Stil an den Tag gelegt. Der bildliche Schmuck an der Vorderseite des berliner Alten Museums ist nach seinen Entwürfen ausgeführt. An dem Prachtwerke „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker», sowie an vielen andern Werken war S. wesentlich beteiligt. Endlich verdanken ihm die königl. Theater nicht nur manche ihrer schönsten Dekorationen, sondern überhaupt eine neue Schule der Dekorationsmalerei. Seine zahlreichen Entwürfe, Zeichnungen und Gemälde sind in der Bauakademie zu Berlin zu einem eigenen Museum (Schinkel-Museum) vereinigt. Sein Standbild, von Drake, schmückt den Platz vor der Bauakademie und die Halle des Alten Museums. Vgl. von Wolzogen, Aus S.s Nachlaßo (4 Bde., Berl. 1862—64); die biographischen Schriften über S. von Kugler, Bötticher, H. Grimm, Waagen u. a.