Schlüter (Andreas), berühmter deutscher Baumeister und Bildhauer, geb. 20. Mai 1664 in Hamburg als Sohn eines Bildhauers, verlebte seine Jugend in Danzig und nahm dann auf Reisen die niederländ., franz. und ital. Kunstbildung der damaligen Zeit in sich auf. Er wirkte als vielbeschäftigter Baumeister in Warschau, als er 1694 vom Kurfürsten Friedrich III. als Hofbildhauer nach Berlin gerufen wurde, zunächst für die Dekoration des Marmorsaales in Potsdam. Nachdem er 1695 Mitdirektor der Akademie geworden, baute er 1696 das Schloß Lientzenburg (jetzt Charlottenburg genannt), modellierte 1697 die Statue des Kurfürsten und leitete von 1698 an den von Nehring begonnenen Zeughausbau, der ihm besonders die dekorativen Schönheiten, vor allem die weltberühmten Masken der sterbenden Krieger verdankt (in Lichtdruck nach den Originalen herausg. von Dohme, Berl. 1877). Zum Schloßbaudirektor ernannt, baute er das Residenzschloß, einen durch großartige malerische Konzeption und kraftvolle Durchführung des Einzelnen öchs ausgezeichneten Bau. Im J. 1703 wurde sein plastisches Hauptwerk, das Edelste, was er geschaffen, die Reiterstatue des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke in Berlin, enthüllt. Dieses unübertroffene Erzbild vereint vollkommen individuelle Auffassung mit Adel der Gestalt und Haltung und dem Ausdrucke geistiger Macht. Ein Turm, den der König gegen den bessern Rat S.s auf unzureichendem Baugrunde neben dem Schlosse errichtet haben wollte, wurde das Mittel, wodurch es Cosander von Goethe gelang, S. aus seiner Stellung als Baumeister 1706 zu verdrängen. Doch blieb er Hofbildhauer und modellierte 1713 noch das Grabmal Friedrichs I., ging dann nach Rußland, wo er die Gunst des Kaisers Peter in hohem Grade genoß, aber schon 1714 starb. Vgl. Klöden, Andreas S.» (Berl. 1855); Adler, „Andreas S.s Leben und Werke (Berl. 1862); Dohme, „Kunst und Künstler»; derselbe, «Das königl. Schloß in Berlino (Berl. 1877).