Schmetterlinge (Lepidoptéra, Tafel: Insekten IIu. III) bilden eine große, etwa 22000 bekannte Arten zählende, sehr natürliche Ordnung der Insekten, welche zugleich ihrer äußern Erscheinung nach die schönste ist und sich durch vier staubartig beschuppte Flügel von gleicher Substanz, einen spiralig einwärts gerollten Rüssel und die sehr vollkommene Verwandlung auszeichnet. Ihre Größe ist äußerst verschieden; einige Motten messen ausgebreitet nur wenige Millimeter, manche ausländische Tagschmetterlinge bis fast gegen 30 em. Der Körper besteht aus den bei allen vollkommenern Insekten gewöhnlichen Abschnitten, Kopf, Brust und Bauch; nur sind die Brustringe eng untereinander verbunden. Von den drei Fußpaaren bleibt das erste bisweilen sehr klein. Die Flügel zeigen eine sehr große Abwechselung der Umrisse. Sie sind ganz oder mannigfach ausgeschnitten, bei den Federmotten fast bis zur Wurzel in mehrere Teile zerschnitten, bald geschwänzt, bald ungeschwänzt, bei allen mit feinen, staubartigen Schüppchen bedeckt, welche sehr verschieden gefärbt und gestaltet, breit oder lang, dick oder dünn, rund oder eckig, stumpf, spitzig oder gezähnt, gestielt oder stiellos u. s. w. sind. Nur bei wenigen sind die Flügel an einzelnen Stellen oder die Vorderflügel größtenteils schuppenlos und durchsichtig wie bei den Glasflüglern (Se. sia). Bei sehr wenigen Weibchen sind die Flügel sehr kurz oder fehlen gar gänzlich, wie bei dem Frostschmetterling, dem Aprikosenspinner und dem Sackträger. Die Ernährungswerkzeuge kommen durch Zusammengesetztheit denjenigen der Käfer nicht gleich, bestehen aber hauptsächlich in dem Rüssel und haben auch nur die Bestimmung zum Aufsaugen flüssiger Stoffe, die überhaupt nicht in großer Menge aufgenommen werden; ja einige Arten von S. scheinen ihr kurzes Leben hindurch durchaus keiner Nahrung zu bedürfen, indem manchen Phalänen der Rüssel ganz fehlt. Die Oberlippe ist nur als Rudiment vorhanden, die Unterlippe aber groß, dreieckig, mit zwei großen, meist dreigliederigen Lippentastern, zwischen denen der aus zwei Hälften, den modifizierten Kiefern, bestehende Rüssel liegt, an dessen Grunde die kleinen, ein-bis dreigliederigen Kiefertaster sitzen. Alle haben zwei große facettierte Augen, nur sehr wenige zugleich Nebenaugen. Die Geschlechter sind äußerlich oft leicht erkenn-Die Weibchen sind meistenteils größer, oft minder lebhaft gefärbt, haben einen dickern Hinterleib und oft dünnere Fühler. Die Weibchen legen Eier von verschiedener, oft sehr zierlicher Gestalt, aus welchen nach Ablauf einer gesetzmäßigen Zeit die Raupe (s. d.) hervorkommt, welche, zur Fortpflanzung unfähig, nur auf Anhäufung von Körpermasse durch Ernährung hingewiesen, also sehr gefräßig, daher häufig dem Landmanne und Gärtner sehr schädlich ist und alle dem Schmetterlinge zukommenden Organe, wenn auch in sehr unentwickeltem Zustande, in sich trägt. Nach mehrfacher Häutung spinnt sie sich ein oder heftet sich an und wird zur Puppe (s. d.). Nach Ablauf der letzten Periode der Metamorphose kriecht endlich der Schmetterling aus der Puppe hervor, trocknet und entfaltet seine Flügel, deren Gefäße durch kräftige Atmung mit Luft erfüllt, ausgedehnt und gespannt werden, und beginnt sein kurz dauerndes Leben als vollkommen entwickeltes Tier, dessen Hauptgeschäft nun die Reliehnng ist, von deren früherer oder späterer Vollziehung auch die kürzere oder längere Lebensdauer abhängt. Dem Menschen sind die S. nur insofern nützlich, als mehrere Arten von Spinnern, die Seidenraupen (s. d.), Seide liefern; viele sind dagegen als Raupen lästig oder verderblich. Ihre Verbreitung reicht zwar über die ganze Erde, denn einige leben selbst noch unter dem Polarkreise; doch übertreffen die tropischen Arten durch Zahl, Größe und Schönheit diejenigen milder Klimate. Über die Einteilung der S. und Tafelerklärung s. unter Insekten und den Spezialartikeln. Die Litteratur über die S. ist sehr reich und schließt viele Prachtwerke ein. Die europäischen S. beschrieben Ochsenheimer und Treitschke in dem Werke Die S. von Europas (17 Bde., Lpz. 1807 —18). Vgl. auch Heinemann, Die S. Deutschlands und der Schweizo (2 Bde., Braunschw. 1870 —77); Staudinger und Wocke, «Katalog der Lepidopteren des europ. Faunagebietesv (Dresd. 1871); Speyer, «Die geogr. Verbreitung der S. Deutschlands und der Schweizo (2 Bde., Lpz. 1858—62); Ramann, Die S. Deutschlands und der angrenzenden Länderp (36 Hefte, Arnstadt 1872— 75). Der S. war schon im Altertum ein Sinnbild der Unsterblichkeit der Seele (Psyche), und das Hervorgehen des S. aus der Puppe in seiner Vollkommenheit wurde auf die Befreiung der Seele von dem Körper im Tode bezogen. Daher erscheint Psyche auf Kunstwerken meist mit Schmetterlingsflügeln. Auch der Gott des Schlafs (Hypnos) wurde mit Schmetterlingsflügeln am Kopfe abgebildet, indem der Schlaf als eine periodische Befreiung der Seele von den irdischen Banden angesehen wurde.