FeedSchnabeltier (Ornithorhynchus)
TierreichBrockhaus 1882

Schnabeltier (Ornithorhynchus), eine zu den Kloakentieren (Monotremata) gehörende äußerst merkwürdige Säugetiergattung von der Gestalt der Fischotter, mit schnabelformigen und mit einem einzigen aufgewachsenen Backenzahne versehenen Kiefern, geräumigen Backentaschen und kurzen, fünfzehigen Söchwimmfüßen. Außer dem einem Entenschnabel ähnlichen Schnabel findet eine Annäherung an die Vögel und Reptilien noch dadurch statt, daß für die Ausleerungen und geschlechtlichen Thätigkeiten ein einziges Organ, die Kloake, und außerdem am Schultergelenk getrennte Rabenbeine (Coracoidea) vorhanden sind, welche bei allen übrigen Säugetieren mit dem Schulterblatte verwachsen. Man hat deshalb die Kloakentiere auch Gabeltiere genannt. Man kennt nur eine Art, das braune S., (O. paradoxus), welches nur in Australien einheimisch ist und in Europa gegen 1798 bekannt wurde, seitdem auch lebend nach Europa gebracht worden ist. Es wird ohne den 12 em langen Schwanz 50 em lang, ist mit einem dicken, wasserdichten, oberseits dunkelbraunen, an der Bauchseite gelblichweißen Pelze bedeckt und sein Schädel vorn plötzlich in einen Entenschnabel abgeplattet. Seinen Bau legt es in den überhängenden Ufern stehender Gewässer an, und es führt nahe am Wasserspiegel ein langer gewundener Gang in denselben. Die Nahrung besteht aus Wasserinsekten, sehr kleinen Muscheltieren, Würmern u. dgl., welche beim Durchsuchen des Schlammes gefunden werden. Nach den Entdeckungen von Caldwell und Liwersedge legt das S. allerdings Eier, was man früher schon unbewiesen annahm, dann aber bis vor kurzem bezweifelte. Das Weibchen hat zwei Milchdrüsen, aber keine Zitzen, und man weiß noch nicht sicher, wie es seine Jungen ernährt. Daß der am Fersenbein des Männchens stehende große starke Sporn ein Giftorgan sei, gehört zu den Fabeln. Die Sinne des S. sind äußerst scharf; es ist sehr scheu, taucht und schwimmt vortrefflich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 439Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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